Rhinostrich - The creep

Date 2009-10-12

 Get MP3 (6 MB | 4:45 min)

View this page in ENGLISH



SOS – Mein Chip singt!



Wer – wie ich – in den 90ern einen Amiga sein Eigen nannte, dessen Ohren dürften beim Hören dieses Tracks melancholisch im Wind der 8 Bit flattern, die hier aus den Lautsprechern – nein nicht purzeln, sondern geblasen werden. Was daran liegt, dass James Curran – aka Rhinostrich – Musik macht, die ein bisschen so klingt, als ob sie von Blur auf Ecstasy für das zweite Level von Turrican komponiert worden wäre.

Wer einen Namen für diese Art von Musik haben möchte, wird unter dem Begriff Chiptune mehr dazu finden.

Ich habe Jamie gefragt, warum er manche seiner Songs unter einer eher großzügigen Lizenz wie der CC-BY und andere unter einer eher einschränkenden Lizenz wie der CC-BY-NC-SA veröffentlicht.

Jamie: Ein Grund dafür, dass meine Songs unter unterschiedlichen Lizenzen stehen ist, dass ich den Vorgaben der unterschiedlichen Webseiten folgen muss, auf denen ich meine Sachen veröffentlichen will. Der andere Grund ist ein reiner Mangel an Aufmerksamkeit und Sorgfalt von meiner Seite. So lange man sich meine Musik frei herunterladen kann und sie dabei vor Diebstahl geschützt bleibt, bin ich im Prinzip mit jeder Linzenz einverstanden.

Welches Equipment benutzt Du um Deine Tracks herzustellen?

Jamie: Sämtliche Software die ich benutze, ist entweder Homebrew oder FOSS. Es scheint mir völlig logisch, dass die Verbreitung meiner Musik damit dem selben Geist wie die Verbreitung der von mir genutzten Software folgt.
Größtenteils benutze ich die freie Software LGPT (aka Piggy Tracker), welche von Marc Nostromo geschaffen wurde und auf vielen Plattformen lauffähig ist. Der Little Piggy Tracker läuft bei mir auf einer GP2X; das ist eine auf Linux basierende koreanische Handheld-Videogame-Konsole. Außerdem nutze ich zum Musikmachen den LSDJ der auf einem Gameboy läuft und den Milkytracker.

Wirst Du künftige Tracks auch unter einer freien Lizenz veröffentlichen?

Jamie: Ich werde meine Musik weiterhin frei veröffentlichen. Für neue und unbekannte Künstler überwiegen die Vorteile, die man hat, wenn man andere Leute seine Musik kostenlos herunterladen lässt. Die Nachteile bestehen zwar in den finanziellen Verluste, die entstehen, wenn man seine Sachen nicht verkauft, aber diese sind für unbekannte Künstler eher minimal.
Früher haben Menschen neue Künstler kennengelernt, indem sie sie kostenlos im Radio hörten. Freie Downloads, Musik über Online-Streams und Podcasts haben heutzutage für viele Menschen den Platz des Radios eingenommen. Die meisten Sender gehören der selben Firma und spielen die selben Major-Künstler, so dass es wenig Raum für neue und unbekannte Künstler gibt um entdeckt zu werden.
Ich persönlich würde eher 1000 Downloads verschenken als nur einen zu verkaufen.

Trittst Du mit Deiner Musik manchmal auf?

Jamie: Ich spiele jetzt schon seit ein paar Jahren Shows im Osten Nordamerikas. New York, Philly, Florida, Montreal, etc.

Rhinostrich – The Creep

Ehma - Valsade

Date 2008-10-12

 Get MP3 (4 MB | 2:34 min)

View this page in ENGLISH

Freie Melodien à la Amélie

Was Yann Tiersen kann, das kann der 1968 geborene Emmanuel Codden alias Ehma schon lange. Leichtfüßig und wunderschön kommen seine Klaviermelodien daher und verzaubern jeden der das möchte.
Der Belgier hat mittlerweile schon sechs Alben veröffentlicht – alle unter der Licence Art Libre – und stellt Sie unter anderem auf seiner Homepage, bei Dogmazic oder auf Jamendo zum freien Download zur Verfügung.

Torsten: Warum hast Du Deine Songs unter eine freie Lizenz gestellt und wieso hast Du Dich dabei für die sehr liberale Licence Art Libre entschieden?

Ehma: Ich glaube, dass Wissen mehr Wert bekommt, wenn man es teilt. So denke ich, dass z.B. GNU/Linux die beste Möglichkeit für Freiheit in der Welt der Computer ist. So ist es für mich ganz klar, dass ich eine der liberalsten Lizenzen wähle um meine Werke zu veröffentlichen.

Torsten: Ist Musik Dein Beruf oder wovon sonst lebst Du?

Ehma: Jetzt arbeite ich als Informatiker, aber ich war eigentlich mal Fotograf. Musik ist für mich kein Geldverdienst, sondern einfach ein Platz um bei mir selbst zu sein.

Ehma – Valsade

Nevrotic Gnome - How High

Date 2008-09-05

 Get MP3 (10 MB | 7:21 min)

View this page in ENGLISH

World Going Public

Nevrotic Gnome aka Hugo kommt aus Briançon in Frankreich, der dritthöchstgelegenen Stadt Europas und er macht eine interessante Mischung aus Dub, Techno und Worldmusik. Großzügigerweise hat er alle von ihm geschriebenen Stücke, und das sind immerhin knapp 50 Stück, in die Public Domain gestellt.

Torsten: Viele Deiner Tracks klingen sehr professionell. Zum Beispiel ist “Pink” ein tolles Stück um bei Parties von den Chemical Brothers auf Punjabi MC überzuleiten. Auch das hier vorgestellte “How High” klingt gut und hochwertig. Warum stellst Du Deine Songs in die Public Domain statt sie kommerziell zu vermarkten? Hast Du keine Angst, dass sie von Trittbrettfahrern kommerziell ausgeschlachtet werden?

Hugo: Ich habe mich entschieden meine Songs als Public Domain zu veröffentlichen, weil es mir einfach als beste Möglichkeit erscheint meine Musik mit einer großen Öffentlichkeit zu teilen. Ich glaube kaum, dass Freerider meine Musik kommerziell nutzen: die Songs sind sehr persönlich, weshalb ich glaube, dass sie nicht so vielen Leuten gefallen werden.

Torsten: Wie sehen Deine musikalischen Zukunftspläne aus?

Hugo: Ich werde natürlich weiter Musik machen. Allerdings werde ich mich jetzt mehr auf Live-Projekte konzentrieren. Und diese werde ich auch als Public Domain oder unter freien Lizenzen veröffentlichen. Gerne würde ich auf freien Parties ein paar Live-Sets spielen.

Torsten: Sehr bestimmend für das Stück “How High” ist die Aufnahme einer Gitarre, die eine arabisch klingende Tonfolge spielt. Wo hast Du dieses Sample her?

Hugo: Ich habe die Gitarre einfach selber eingespielt. Die anderen Instrumente sind entweder Samples oder über Midi eingespielte virtuelle Instrumente.

Torsten: Verdienst Du mit Deiner Musik Geld oder wovon lebst Du?

Hugo: Nein, bisher habe ich mit meiner Musik noch keinerlei Einnahmen gemacht. Ich möchte auch gar kein kommerzieller Künstler werden, weil ich in meinen Projekten völlige Freiheit will und brauche. Meine Songs sollen gar nicht von einem großen Publikum gehört werden. In meinem normalen Leben studiere ich Architektur, das ist alles.

Noch zwei Worte zur Public Domain:

1.) Hier habe ich gerade die Auffassung entdeckt, dass Werke die in der Public Domain stehen, nicht automatisch kommerziell genutzt werden können. Das scheint zumindest Deutschland zu betreffen, denn, wie man diesem Dokument entnehmen kann, gab es vor 15 Jahren in Deutschland entsprechende Gerichtsurteile dazu.

2.) Die Creative Commons-Initiative bietet Autoren zumindest in den USA eine eigene Möglichkeit Werke in die Public Domain zu geben. Laut der dort veröffentlichen Bestimmung, gestatten es die Autoren, die diese Möglichkeit nutzen, dass Ihre Werke frei reproduziert, verteilt, übertragen, genutzt, verändert, vertieft oder auf jede andere Art und Weise durch jedermann genutzt werden können, kommerziell oder nicht-kommerziell, einschließlich Arten, die noch nicht erfunden oder erdacht wurden. Lt. Creative Commons ist das im Wirkungsbereich des deutschen Urheberrechtes nicht möglich (siehe hier).


Die Jagdprozession der Zwerge” – gefunden auf Wikimedia Commons

Nevrotic gnome – How high

I am this - Unfold

Date 2008-07-18

 Get MP3 (6 MB | 5:03 min)

View this page in ENGLISH

Das ist mal wieder schöne Frickel-Mugge. Sie stammt vom dritten Album von I am this und sie erinnert mich hier und da etwas an Notwist, an anderen Stellen auch mal an DJ Shadow.

Hinter I am this steckt Michael aus Phönix (USA). Was Lizenzen angeht ist er ein ebensolcher Frickler wie beim Musizieren, denn er hat jedes seiner drei bisher veröffentlichten Alben unter eine andere Lizenz gestellt. Während sein erstes Album “adhDJ” noch unter der eher restriktiven Creative Commons-Lizenz NC-Sampling Plus stand, die nur das Bearbeiten und nicht-kommerzielle Verbreiten unter der gleichen Lizenz erlaubt, so hat er sein zweites Album “BLAPP.” bereits unter der Licence Art Libre veröffentlicht, die immerhin eine freie Bearbeitung und auch die kommerzielle Verbreitung erlaubt, solange abgeleitete Werke unter der gleichen Lizenz veröffentlicht werden. Das dritte Album “Spinning into control”, von welchem der hier vorgestellte Track Unfold stammt, hat I am this schließlich unter die Creative Commons-Lizenz Sampling Plus gestellt, mit der auch abgeleitete Werke kommerziell verwendet und unter einer anderen Lizenz verbreitet werden dürfen, sofern der Autor I am this im Zusammenhang mit dem Werk genannt wird.

Michael aka I am this ist sich der vielen Unterschiede zwischen den Lizenzen wohl gar nicht so bewusst, denn auf meine Frage, ob ich einen seiner Tracks hier hochladen und vorstellen darf schrieb er mir:

Michael:”Fühl Dich frei meine Musik hochzuladen und zu nutzen wie Du willst! Ich dachte bisher, dass ich meine ganze Musik bereits zur freien Benutzung freigegeben habe, aber ich werde es jetzt ändern um das geschehen zu lassen. Wie gesagt: fühl Dich frei meine Musik so zu nutzen wie Du es willst.”

Ich bin gespannt, ob und wie Michael von I am this die Lizenzen noch ändern wird.


Das Album “Spinning into control” von I am this

I am this – Unfold

Bell Sparx - Thumbtack

Date 2008-05-07

 Get MP3 (3 MB | 2:31 min)

View this page in ENGLISH

Es lebt die deutsch-amerikanische Freundschaft!

Und die vier Jungs von Bell Sparx sind der lebende (ist ja logisch) Beweis dafür. Drei von Ihnen kommen aus den U.S.A. und der vierte Mann kommt aus Deutschland. Mehr als lebendig ist die Musik der Band – das hier vorgestellte Thumbtack frickelt sich mit Biss und Bass nach vorne. Tanzen nicht ausgeschlossen. Autofahren schon gar nicht.

Ich habe den Gitarristen Michael gefragt, ob ich das Liedchen hier podcasten kann:

Michael: “Wir sind geehrt, dass Du Dich für unsere Musik interessierst. Wir alle denken in unserer Band ähnlich über Open Source und GPL und Du bist mehr als willkommen unsere Songs im freemusicpodcast vorzustellen.”

Bell Sparx bestehen aus vier Musiker: Ralph am Schlagzeug, Jens am Bass, Steve am Keyboard und Michael an der Gitarre. Ralph verfolgt tatsächliche eine professionelle musikalische Karriere, während die anderen ihr Geld mit Gelegenheitsjobs verdienen.

Torsten: “Was hat Euch bewegt Eure Songs unter die “Creative Commons – Attribution” zu stellen? Warum habt Ihr nicht eine strengere Lizenz gewählt wie die “Creative Commons – Attribution – No Commercial Use – Share Alike”?

Michael: “Wir haben die “Creative Commons – Attribution” und keine engere Lizenz gewählt, weil Musik für uns ein Geschenk ist, dass wir gerne mit anderen teilen möchten. Ausserdem bilden wir uns ein, kreativ genug zu sein, wenn es darum geht, neue Ideen zu haben, so dass wir eigentlich immer neue Musik machen können und für uns kein Mangel entsteht, wenn wir unsere Musik verschenken.

Natürlich würden wir gerne irgendwann auch etwas Geld mit Musik verdienen, falls sich ein großes allgemeines Interesse an unserer Musik einstellt. Aber eigentlich hat das Geld für uns keine Priorität. Wir sind einfach nur froh zu musizieren und freuen uns noch mehr, wenn die Leute unsere Musik mögen und sich für die Open Source Idee interessieren.”

Jau, das ist so.

Bell Sparx – Thumbtack