PerlssDJ - Delirium Tremens (Lust Mix)

Date 2009-04-14

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Auf die Musik von PerlssDJ bin ich durch OPSOUND gestoßen, eine Seite, die schon seit 2005 im Netz ist und auf der Musiker kräftig ihre CC-BY-SA lizensierte Musik veröffentlichen. PerlssDJ ist ein Musiker, DJ und VJ (nebenstehendes Bild ist aus einem seiner VJ-Sets) aus A Coruña, das an Spaniens Nordwestküste liegt. Auch er hat ein paar seiner Tracks auf OPSOUND veröffentlicht und schwups … ist er hier im Blog. Ich habe ihn gefragt:

“Warum veröffentlichst Du Deine Songs unter der sehr freien Lizenz ‘Creative Commons Attribution-ShareAlike’? Fürchtest Du Dich nicht vor Trittbrettfahrern, die sich an Deiner Musik kommerziell bereichern ohne Dir etwas dafür zu geben?”

PerlssDJ: Uff, gute Frage. Die meiste Musik, die ich im Internet finde, wurde unter der “CC – No Commercial, No Derivate Works” veröffentlicht. Vielleicht liegt das daran, dass viele Musiker nicht wissen, was Copyleft ist. Nach der Definition von Copyleft kann man Copyleft-Musik auch kommerziell verwenden. Wenn man das tut, muss diese Musik aber weiter unter einer Copyleft-Lizenz verbreitet werden. Auf diese Art und Weise bleibt diese Musik immer frei. Wenn also irgend jemand in meine Copyleft-Musik seinem Projekt aus ökonomischen Gründen nutzen will, so kann er das tun, muss aber für dieses Projekt die selbe Copyleft-Lizenz verwenden.
Stell Dir doch bloß mal vor, was passiert, wenn die BBC einen meiner Tracks in einem Dokumentarfilm verwenden will. Die können das natürlich gerne tun, aber sie müssen diesen Film unter die selbe Copyleft-Lizenz stellen, unter der ich meinen Track ursprünglich veröffentlicht habe. Vielleicht wollen sie das gar nicht, aber wenn sie es tun, so schaffen sie ein neues freies Werk und auf diesem Weg verbreitet sich Copyleft mit jedem neu geschaffenen Stück, mit jedem neuen freien Song oder Video.
Mit einer “Non Commercial”-Lizenz würde diese Verbreitung nicht passieren, daher ist die “Non Commercial”-Sache streng genommen genauso restriktiv wie normales Copyright. “Attribution ShareAlike” ist für mich ein Weg um Kultur aufzubauen, und nicht um sie zu zerstören. Ich denke der einzige Weg um Kultur zu schützen ist sie zu teilen.

“Wirst Du auch in Zukunft Musik machen und diese auch unter freien Lizenzen veröffentlichen?”

PerlssDJ: Ich habe gerade erst einen neuen Track bei dem mexikanischen Label “Breathe Compilations” veröffentlicht und für die Zukunft habe ich noch mehr Überraschungen in Arbeit. Und: Ja! Ich schätze, dass ich meine Musik auch in Zukunft unter freien Lizenzen veröffentlichen werde. Ich habe bisher sehr gute Erfahrungen damit gemacht.

“Was hattest Du als Musiker bisher für ökonomische Erfahrungen?”

PerlssDJ: Naja, ich bin Soundtechniker, aber arbeite nicht mehr in diesem Beruf. Manchmal habe ich als DJ oder VJ in einem Club gearbeitet. Aber weil das sehr viel Zeit verlangt, die ich nicht habe, mache ich das nicht allzu oft. Eigentlich bevorzuge ich es zu VJen, vielleicht weil ich denke, dass ein visuelles Set persönlicher ist als ein DJ-Set. Außerdem nutze ich dabei meine eigenen Clips.

“Deine Musik klingt ziemlich professionell, warum versuchst Du nicht, sie kommerziell zu vermarkten?”

PerlssDJ: Für mich ist das eine Frage der Freiheit. Ich mache gerne unterschiedliche Sachen, abhängig davon, was ich in dem Moment gerade fühle. Ich habe keinen bestimmten Stil und daher denke ich, dass ich ohne ökonomischen Druck einfach bessere Dinge schöpfen kann. Ich mache Musik zum Vergnügen, nicht um Geld zu verdienen, was sich einige Menschen scheinbar nicht vorstellen können.

“Womit verdienst Du also Deine Brötchen?”

PerlssDJ: Ich habe einen Job und stehe jeden Tag um sechs Uhr auf. Außerdem habe ich vor einigen Tagen unter www.superssonica.net einen Online-Shop aufgemacht, wo man T-Shirts kaufen kann. Wenn man meine Arbeit als DJ unterstützen möchte, kann man dort ein T-Shirt kaufen.

“Welche Instrumente verwendest Du?”

PerlssDJ: Manchmal nutze ich Samples, Loops oder “A Capella”-Stücke anderer Leute um daraus neue Sachen zu machen. Viele meiner Songs habe ich aber komplett selber komponiert; dabei nutze ich dann Freie Software, Hardware Grooveboxes und Synths sowie jede Menge Audio-Software. Und seit zwei Monaten bringe ich mir gerade Blues auf der Gitarre zu spielen bei. Das klingt allerdings noch ziemlich schrecklich ;)

“Arbeitest Du an Deinen Songs manchmal mit anderen Leuten zusammen?”

PerlssDJ: Ich habe für einige Leute ein paar Remixe gemacht, wie z.B. für den mexikanischen Musiker “Vate”, die New Yorker Poetin “Melissa K”, den katalanischen Produzenten “SwordxL”, die französische Band “Volfoniq” und das Duo “Trifonic” aus den Staaten. Und mit meinem Freund Obe zusammen habe ich meine EP “Amalgam Of Sound” komponiert. Diese Erfahrungen, die ich dabei mit diesen Leuten gemacht habe, waren sehr gut, und die Ergebnisse sind sehr erstaunlich.

Wie man hören kann. Der Track “Delirum Tremens” ist von genau dem Album “Amalgam Of Sound”.

PerlssDJ – Delirium Tremens (Lust Remix)

Nevrotic Gnome - How High

Date 2008-09-05

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World Going Public

Nevrotic Gnome aka Hugo kommt aus Briançon in Frankreich, der dritthöchstgelegenen Stadt Europas und er macht eine interessante Mischung aus Dub, Techno und Worldmusik. Großzügigerweise hat er alle von ihm geschriebenen Stücke, und das sind immerhin knapp 50 Stück, in die Public Domain gestellt.

Torsten: Viele Deiner Tracks klingen sehr professionell. Zum Beispiel ist “Pink” ein tolles Stück um bei Parties von den Chemical Brothers auf Punjabi MC überzuleiten. Auch das hier vorgestellte “How High” klingt gut und hochwertig. Warum stellst Du Deine Songs in die Public Domain statt sie kommerziell zu vermarkten? Hast Du keine Angst, dass sie von Trittbrettfahrern kommerziell ausgeschlachtet werden?

Hugo: Ich habe mich entschieden meine Songs als Public Domain zu veröffentlichen, weil es mir einfach als beste Möglichkeit erscheint meine Musik mit einer großen Öffentlichkeit zu teilen. Ich glaube kaum, dass Freerider meine Musik kommerziell nutzen: die Songs sind sehr persönlich, weshalb ich glaube, dass sie nicht so vielen Leuten gefallen werden.

Torsten: Wie sehen Deine musikalischen Zukunftspläne aus?

Hugo: Ich werde natürlich weiter Musik machen. Allerdings werde ich mich jetzt mehr auf Live-Projekte konzentrieren. Und diese werde ich auch als Public Domain oder unter freien Lizenzen veröffentlichen. Gerne würde ich auf freien Parties ein paar Live-Sets spielen.

Torsten: Sehr bestimmend für das Stück “How High” ist die Aufnahme einer Gitarre, die eine arabisch klingende Tonfolge spielt. Wo hast Du dieses Sample her?

Hugo: Ich habe die Gitarre einfach selber eingespielt. Die anderen Instrumente sind entweder Samples oder über Midi eingespielte virtuelle Instrumente.

Torsten: Verdienst Du mit Deiner Musik Geld oder wovon lebst Du?

Hugo: Nein, bisher habe ich mit meiner Musik noch keinerlei Einnahmen gemacht. Ich möchte auch gar kein kommerzieller Künstler werden, weil ich in meinen Projekten völlige Freiheit will und brauche. Meine Songs sollen gar nicht von einem großen Publikum gehört werden. In meinem normalen Leben studiere ich Architektur, das ist alles.

Noch zwei Worte zur Public Domain:

1.) Hier habe ich gerade die Auffassung entdeckt, dass Werke die in der Public Domain stehen, nicht automatisch kommerziell genutzt werden können. Das scheint zumindest Deutschland zu betreffen, denn, wie man diesem Dokument entnehmen kann, gab es vor 15 Jahren in Deutschland entsprechende Gerichtsurteile dazu.

2.) Die Creative Commons-Initiative bietet Autoren zumindest in den USA eine eigene Möglichkeit Werke in die Public Domain zu geben. Laut der dort veröffentlichen Bestimmung, gestatten es die Autoren, die diese Möglichkeit nutzen, dass Ihre Werke frei reproduziert, verteilt, übertragen, genutzt, verändert, vertieft oder auf jede andere Art und Weise durch jedermann genutzt werden können, kommerziell oder nicht-kommerziell, einschließlich Arten, die noch nicht erfunden oder erdacht wurden. Lt. Creative Commons ist das im Wirkungsbereich des deutschen Urheberrechtes nicht möglich (siehe hier).


Die Jagdprozession der Zwerge” – gefunden auf Wikimedia Commons

Nevrotic gnome – How high

I am this - Unfold

Date 2008-07-18

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Das ist mal wieder schöne Frickel-Mugge. Sie stammt vom dritten Album von I am this und sie erinnert mich hier und da etwas an Notwist, an anderen Stellen auch mal an DJ Shadow.

Hinter I am this steckt Michael aus Phönix (USA). Was Lizenzen angeht ist er ein ebensolcher Frickler wie beim Musizieren, denn er hat jedes seiner drei bisher veröffentlichten Alben unter eine andere Lizenz gestellt. Während sein erstes Album “adhDJ” noch unter der eher restriktiven Creative Commons-Lizenz NC-Sampling Plus stand, die nur das Bearbeiten und nicht-kommerzielle Verbreiten unter der gleichen Lizenz erlaubt, so hat er sein zweites Album “BLAPP.” bereits unter der Licence Art Libre veröffentlicht, die immerhin eine freie Bearbeitung und auch die kommerzielle Verbreitung erlaubt, solange abgeleitete Werke unter der gleichen Lizenz veröffentlicht werden. Das dritte Album “Spinning into control”, von welchem der hier vorgestellte Track Unfold stammt, hat I am this schließlich unter die Creative Commons-Lizenz Sampling Plus gestellt, mit der auch abgeleitete Werke kommerziell verwendet und unter einer anderen Lizenz verbreitet werden dürfen, sofern der Autor I am this im Zusammenhang mit dem Werk genannt wird.

Michael aka I am this ist sich der vielen Unterschiede zwischen den Lizenzen wohl gar nicht so bewusst, denn auf meine Frage, ob ich einen seiner Tracks hier hochladen und vorstellen darf schrieb er mir:

Michael:”Fühl Dich frei meine Musik hochzuladen und zu nutzen wie Du willst! Ich dachte bisher, dass ich meine ganze Musik bereits zur freien Benutzung freigegeben habe, aber ich werde es jetzt ändern um das geschehen zu lassen. Wie gesagt: fühl Dich frei meine Musik so zu nutzen wie Du es willst.”

Ich bin gespannt, ob und wie Michael von I am this die Lizenzen noch ändern wird.


Das Album “Spinning into control” von I am this

I am this – Unfold

Kamder - Blip pleasure

Date 2008-02-20

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Es ist wieder mal Zeit für ein elektronisches Zwischenspiel. Dieses ist heute ganz in Grau-blau gehalten und kommt einmal mehr von einem französischen Künstler, der seine Songs unter einer freien Lizenz veröffentlicht: Kamder. Warum tut er das?


Kamder: “Du kannst meine Lieder in Deinem Podcast verwenden. Ich habe meine Songs unter eine Creative Commons Lizenz gestellt, da ich sie nicht kommerziell verwende. Ich würde zwar gerne Geld mit meiner Musik verdienen, aber im Moment bin ich noch nicht so weit, und muss daher noch ein bisschen als Elektro-Techniker arbeiten.”

Hast Du noch weitere Lieder unter freien Lizenzen veröffentlicht?


Kamder:”Schau mal auf electrobel.fr nach und suche nach “Kamder” wenn Du meine anderen Lieder anhören willst. Alle meine Lieder auf electrobel stehen unter der CC-BY-SA-ND.”

Das Stück “Blip pleasure” habe ich auf Boxson gefunden, wo Kamder noch mehr Songs unter der Licence Art Libre und der Creative Commons Attribution veröffentlicht hat. Dass er andere Songs auf electrobel.fr unter einer, wie Kamder meint, Creative Commons Attribution No-Derivatives No-Commercial-Use Share-Alike Lizenz verbreitet, deutet auf Kamder’s kommerzielle Ambitionen hin. Ich habe mal nachgeschaut: so eine restriktive Lizenz steht tatsächlich noch nicht mal auf der Creative Commons Webseite zur Verfügung. Vielleicht wäre das ja eine Idee für eine noch stärker am konventionellen Copyright orientierte Lizenz. Der Unterschied zu normal geschützten Werken wäre dann: keiner.
Tatsächlich hat Kamder allerdings die selben Songs, die auf Boxson.net unter einer sehr liberalen Lizenz stehen auf electrobel.fr unter der doch recht restriktiven Creative Commons BY ND NC lizensiert. Mmh…so ein Lizenzkuddelmuddel. Wenn ein Lied unter zwei unterschiedlichen Lizenzen veröffentlicht wurde – welche gilt denn dann? – Ganz einfach – man kann es sich aussuchen (steht im Creative Commons -FAQ). Na, da bin ich doch schon wieder versöhnt.

Kamder – Blip pleasure
gefunden auf: Boxson.net
lizensiert unter der Licence Art Libre


DNA vs. Musetta - Ophelia's Song

Date 2008-01-16

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Was passiert wenn man 1 und 1 addiert? Man erhält auf alle Fälle mehr als 2 und wer was Anderes behauptet, hat keine Ahnung von praktischer Mathematik und ist somit ein schlechter Mathelehrer. Wirklich gute Lehrer sind dagegen der Bassist Matteo Curcio und die Sängerin Marinella Mastrosimone, die das Electropop / Triphop -Duo Musetta bilden sowie der Sound-Designer Rob Rivera aka DNA. Matteo und Marinella von Musetta haben andere Musiker nämlich dazu aufgefordert ihr Lied “Ophelia’s Song” zu remixen. Dazu haben sie einzelne Spuren des Songs als “Remix-Pack” unter der Lizenz Creative Commons – Attribution veröffentlicht. DNA hat sich das Paket runtergeladen und diesen tollen Remix hingezaubert. Und wer gut rechnen gelernt hat und nicht ganz taub ist, der kann feststellen, dass dieser Remix bedeutend mehr ist als die Summe seiner einzelnen Teile.

Aber was haben sich Matteo und Marinella von Musetta eigentlich bei dieser Aktion gedacht?


Matteo von Musetta: Es war eine Art erstes Experiment mit der Creative Commons Lizenz. Aus dieser Lust am Experimentieren haben wir uns auch für die sehr liberale Creative Commons – Attribution Lizenz entschieden. Das ganze Musikgeschäft ist sehr dynamisch und wir wollten an diesen Veränderungen teilhaben um zu verstehen, wie sich die Dinge entwickeln.

Was ist aus diesem Experiment geworden?


Matteo von Musetta: Mittlerweile haben mehr als 50 Künstler Remixe von unserem Song gemacht. Ausserdem hatten wir die einmalige Chance mit Musikern, die wir sehr schätzen, an einigen dieser Remixe zusammenzuarbeiten – beispielsweise mit Stephan Kleinert von Botany Bay, der auf unserem letzten Album “Mice to meet you!” auch verschiedene Instrumente spielt.

Warum hat Rob Rivera aka DNA an diesem Experiment teilgenommen?


Rob aka DNA: Ich denke, die beste Erklärung ist, dass mich Marinellas Stimme sehr fasziniert. Ich bewundere diese Stimme sehr. Als ich mir die Tracks mit Marinellas Gesang runtergeladen habe, ist mir gleich dieses Waltzer-Arrangement in den Kopf gekommen, dass Du jetzt in meinem Remix hören kannst. Es ist irgendwas zwischen Björk und Cirque Du Soleil. Also ich glaube, die beste Antwort auf Deine Frage ist: “aus Liebe zur Musik”.

Die 25 Remixe, die Matteo Curcio und Marinella Mastrosimone von Musetta am meisten gefallen, kann man sich auf Musettas Webseite anhören und runterladen und wer “Ophelia’s Song” selber remixen möchte, der kann sich dort auch den freien “Remix-Pack” holen. Viele weitere Remixe von “Ophelia’s Song” gibt’s auf ccMixter.

DNA vs. Musetta – Ophelia’s Song
gefunden auf: ccMixter
lizensiert unter der Creative Commons BY
Musettas Homepage: musetta.co.uk
DNA bei Myspace: digitalnoizeaficionado