Elbwalzer

Eigentlich wollte ich nur einen instrumentalen Lückenfüller für ein Liveprogramm schreiben. Nun ist die Lücke a) besser als das Drumherum und b) live für eine One Man Band unspielbar. – Es wird Zeit, dass ich mich nach Musikern umsehe oder mir eine clevere Loop-Lösung ausdenke.

Zu hören sind eine, in den 1930ern von Josef Fischer in Brunndöbra gebaute, Mandolinette, sowie eine Parlour-Gitarre und eine 12-saitige Westerngitarre jeweils von Art & Lutherie. Die Aufnahme und das Mischen erfolgte mit Ardour 4. Den Track habe ich unter CC-BY lizenziert.

Erzählzwang

Am Treffendsten lässt sich PEGIDA aber mit dem Nichts aus der unendlichen Geschichte vergleichen. Sogar Lutz Bachmann ist dabei. Doch seht selbst:

https://www.youtube.com/watch?v=dGomwlB7l44

„Have you seen the Nothing, sonny?“
„Yes, many times.“
„What does it look like?“
„As if one were blind.“
„That’s right — and when you get to the human world, the Nothing will cling to you. You’ll be like a contagious disease that makes humans blind, so they can no longer distinguish between reality and illusion. Do you know what you and your kind are called there?“
„No,“ Atreyu whispered.
„Lies!“ Gmork barked

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Enthusiasmus

Auf der Suche nach einem Synonym für Austauschstudent stieß ich auf den Wikipedia-Artikel „Student exchange program„. Das einzige Bild in diesem Artikel ist dieses:

337px-Bundesarchiv_Bild_183-09709-0002,_Dresden,_Ankunft_eines_indischen_Gaststudenten

„Enthusiastic welcome offered to the first Indian student to arrive to Dresden, Germany (1951)“

Das Originalbild, welches das Deutsche Bundesarchiv unter CC-BY-SA zur Verfügung stellt, ist mit folgendem Text versehen: 19.2.1951 Indischer Student studiert in der DDR. Am 13.2.1951 traf in Bad Schandau ein indischer Student ein, der auf der Technischen Hochschule in Dresden sein elektrotechnisches Studium fortsetzen will. Bei seiner Ankunft in Bad Schandau und Dresden wurde er von Jungen Pionieren und FDJ-lern herzlich begrüsst. UBz: Empfang auf dem Hauptbahnhof Dresden.“

Mmm… der 13.02. schon wieder.

Meinungen

Eine versuchte Diskussion brachte mich auf die These, dass 92% aller Ostdeutschen nicht diskutieren können. Der Austausch von Meinungen und das Streiten um Positionen tauchte in der Sozialisation vieler Leute hier einfach nicht auf – wenn doch, so wurde das kaum als positive Erfahrung wahrgenommen. Ernsthafter Streit über politische Positionen oder der Einsatz für die Lösung gesellschaftlicher Probleme, von denen man selbst oder Andere betroffen sind, hätte ja hier lange Zeit durchaus mal im Knast enden können.

Ich erinnere mich, dass vor ein paar Jahren eine Dozentin1 in einem Seminar zum Konfliktmanagement an der TU Dresden meinte, dass die Konfliktkultur im Osten nach ihren Erfahrungen vor allem durch Fluchtverhalten geprägt sei: die meisten Leute würden lieber die Klappe halten und sich verdrücken, als ihre Meinung zu vertreten und in einer Auseinandersetzung nach Möglichkeiten zu suchen, das Problem zu lösen. Mit Blick auf PEGIDA würde ich es als ‚Hit and run‘-Verhalten bezeichnen: Erst die Klappe weit aufreißen und motzen, natürlich nur, wenn es auch alle Anderen tun, um dann, aus Angst argumentativ abzuloosen, weitere Gespräche zu verweigern.

Deswegen finde ich das mittlerweile auch richtig, dass die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung Diskussionen organisiert, auf denen über, mit und neben Pegida diskutiert wird. Irgendwas stört mich aber immer noch daran, irgendwas ist nicht ganz ehrlich, komme im Moment nicht drauf was. – Mm… vielleicht, dass eine Diskussion eigentlich nur das Werkzeug und nicht der Zweck ist und dass das bei den Diskussionen der Sächsischen Landeszentrale im Moment vertauscht scheint?

Nachtrag: Nach dem ich einige Diskussionen auf Facebook verfolgt haben, an denen Dresdner Lokal-Politiker- und Politikerinnen beteiligt sind, muss ich sagen: die können auch nicht diskutieren. Was in diesen Facebook-Foren als Diskussion oder Dialog verkauft wird, erinnert eher an Rugby. Dafür bin ich ’89 nicht auf die Straße gegangen.

  1. diese hat u.A. ein Buch über „Psycho-soziale Gewalt als Jedermann-Option. Eine konflikttheoretische und interventionsorientierte Analyse von Mobbingprozessen.“ geschrieben []

I.P., therefore I am

Ich habe es schon oft gemacht. Heute auch schon wieder (als ‚Torsten‘ und ‚Frank‘). Ich habe mich besonders schlau dabei gefühlt und dachte, dass ich der Einzige bin, der es tut: Sockenpuppeteering – das Kommentieren von Beitragen unter verschiedenen Netz-Identitäten.
Man braucht nur seinen Namen und im Zweifelsfalls seine I.P.- Adresse ändern (was Dank anonymox ein Klacks ist) und kann dann als vermeintlich anderer Kommentator der Meinung beipflichten, die man oben geäußert hat oder nochmal mit anderen Worten schreiben, was man oben schon geschrieben hat. Bei anderen LeserInnen könnte dadurch der Eindruck entstehen, dass die Vertreter dieser Meinung besonders zahlreich sind und an dieser Meinung schon etwas dran sein muss.

Dahinter steht möglicherweise der Gedanke, die öffentliche Meinungsbildung zu beeinflussen: „Mehr Stimmen kontra Primark“ = „Mehr Gewicht gegen Primark“. So primitiv funktioniert ja letztlich Demokratie: Die Seite mit den meisten Stimmen gewinnt – egal, wie honkig die Stimmen sind.

Zahlreiche Studien der Sozialpsychologie beschäftigen sich mit der Frage, wie eine Mehrheit auf eine Minderheit und im umgekehrten Fall eine Minderheit auf eine Mehrheit so einwirken kann, dass diese ihre Meinung ändert. Die Experimente von Sherif, Asch, Moskovici, Milgram, Zimbardo … in denen Probanden, die mit mehr oder weniger offensichtlich falschen Meinungen und Verhaltensweisen konfrontiert wurden, ihre Meinung und ihr Verhalten in Richtung dieser Meinung oder dieses Verhaltens änderten, gelten als Klassiker und zeigen, dass Sockenpuppeteering eine effektive Strategie sein kann um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Es ist auch eine schwer nachzuweisende Strategie: das Vorgaukeln einer I.P.-Adresse ist kaum durchschaubar. Ich wüsste nicht, wie ich Sockenpuppen unter den KommentatorInnen meines Blogs erkennen sollte.

War PEGIDA vielleicht nur ein sozialpsychologisches Experiment der TU Dresden, um zu untersuchen, wie man mit wenig Aufwand die öffentliche Meinung beeinflusst? – So langsam wird’s dann allerdings Zeit für das De-Briefing, oder? ;)