Archive for the 'Diplomarbeit' Category

Warum Frauen zusammen Tango tanzen aber nie mit Männern Fußball spielen

… mit dieser meiner vorletzten Prüfungsfrage in Soziologie beschäftige ich mich gerade und vielleicht – wenn alles gut geht und ich die richtigen Hinweise entdecke – vielleicht finde ich ja auch heraus, warum es Männer gibt, die mit Männern Tango tanzen und mit Frauen Fußball spielen.

Ich vermute, dass Fußball eine wichtige Rolle beim Übergang vom Jungen zum Mann spielt. So denke ich, dass Fußball eine Menge von Nischen für Initiationsriten bereit hält, so z.B. für den Vater, der seinen Filius zum ersten Mal mit ins Stadion nimmt und ihn so überhaupt erst zum Jungen, zum Sohn macht, wie es beispielsweise im Buch “Pitch Fever” von Nick Hornby geschildert wird. Da Frauen bei solchen männlichkeitsbildenden Fußball-Riten überflüssig sind, tauchen sie auch eher selten in Stadien auf.

Warum jedoch Tango in seinen Anfangsjahren überwiegend von Männern getanzt wurde, heute allerdings Ausdruck der Erotik zwischen Mann und Frau ist, bleibt mir vorläufig ein Rätsel. Es gibt u.a. die Meinung1 dass Tango ursprünglich eine Kampfsportart gewesen wäre, bei der eben anfangs der Wettkampf gleichgeschlechtlicher Kontrahenten im Mittelpunkt gestanden hätte. Der Tango wäre also damit eine erotisierte Darstellung des Krieges?
Auch beim Aikido sind mir schon oft die tänzerischen Bewegungen von Uke und Tori (wenn man diese Aufteilung in Angreifer und Verteidiger überhaupt noch so wahrnehmen mag) aufgefallen und Capoeira scheint ja auch eine Verbindung von Kampf und Tanz zu sein. Aber Tango? Wer hätte das gedacht? Mm….

  1. Baltus, René (2009) Tango Argentino: Leidenschaftlicher Kampf und vollendete Kommunikation []

Anybody up for Probelesen?

Anybody else?

Nachdem im letzten Jahr unzählige Liter Sterni, Fattigauer und Weiß-der-Geier was noch durch meinen Körper durchgeflossen sind, ihm in Kooperation mit veganen Mahlzeiten eine etwas neue Form gegeben haben (ja, Feldforschung ist gefährlich) und mein Kopf beim Nachdenken und Schreiben über Voküs glücklicher Weiße mehrere Male ordentlich außer Kontrolle geriet, … Continue reading ‘Anybody up for Probelesen?’

Wissenschaft im Mixer

In der DDR hieß es ja mal eine Zeit lang “Wissenschaft in die Produktion!” (Oder irre ich mich da? Kann gerade keinen Nachweis finden. Ist das nur mein kleines Hirngespinst?) Das ist jedoch schon lange her und heute geht es hier um das Thema “Wissenschaft im Mixer”.

"Zum Schluss fügen Sie noch eine Baggerspitze klein geraspelten Bourdieu hinzu." Aus: Kochen in VoKüs - satt und froh mit Foucault und Co.)

In einer Einführungsveranstaltung zur Politikwissenschaft, die ich vor drei Jahren hier an der Uni besuchte, wurde mir als bis dato ahnungslosem Studenten gleich auf einer der ersten Powerpoint-Folien erklärt: … Continue reading ‘Wissenschaft im Mixer’

Laika vs. Volxküche

Am Wochenende war ich im Laika, einem kleinen, nicht zu schicken (und gerade deswegen besonders schicken) Café mit Barbetrieb in der Dresdner Neustadt. Die guten Betreiber haben den zweiten Geburtstag des Etablissements gefeiert und alle Leute dazu eingeladen.

Will eat for food

"WILL EAT FOR FOOD" by Altemark, CC-BY

Es gab Freibier, einen DJ, große und kleine Menschen. Also habe ich getrunken, getanzt, geraucht, mir Tabak geschnorrt, auf den Fußboden geascht und eine gute Zeit gehabt. Und ich habe mich gefragt, was eigentlich der Unterschied zwischen dem Laika und einer Volxüche ist. Denn all das hätte ich in einer Vokü so oder so ähnlich auch gemacht. Bisher dachte ich immer, … Continue reading ‘Laika vs. Volxküche’

Gibt es empirische Allmendeforschung?

Obwohl der Begriff “Feldforschung” sicher kein geschütztes Markenzeichen ist, war ich doch etwas enttäuscht, als ich in der Dissertation von Elinor Ostrom, die ja in letzter Zeit sehr für ihre Feldforschungen zu Allmenden gelobt und mit dem Nobelpreis geehrt wurde,1 danach suchte, wie sie ihre Feldforschung durchgeführt hat.
Ich habe bisher nicht viel über empirische Methoden in den Wirtschaftswissenschaften gehört und da ich in meiner Diplomarbeit zu kollektivem Handeln in VoKüs selber empirisch forschen möchte, dachte ich mir, dass mir die Dissertation einer feldforschenden Nobelpreisträgerin für Wirtschaftswissenschaften, bei der Planung meiner Untersuchung helfen kann.

Seltsamerweise konnte ich in der ganzen 628-seitigen Dissertation – einer Fallstudie zur Rolle öffentlicher Unternehmen bei der Verwaltung von Grundwasserbecken im südkalifornischen West Coast Groundwater Basin – nur einen einzigen Satz finden, der sich damit auseinandersetzt, worin ihre Feldforschungen bestehen und wie sie diese durchführt.

“The study was based primarily upon the use of documentary materials.”2

Was mit “documentary materials” gemeint ist, bleibt dabei ziemlich unklar. Ich kann nur vermuten, dass sie Interviews, Zeitungsartikel, Gesetztestexte und teilweise von anderen Autoren verfasste Berichte über das West Coast Groundwater Basin meint. Ebenso mysteriös bleibt, wie sie dieses Material erhoben hat und wie sie damit umgeht. – Mein Prof. würde mich mit so einer winzigen Bemerkung zur Forschungsmethode wahrscheinlich durch die Diplomprüfung durchfallen lassen.

Ihre “Fallstudie” besteht darin, diese “documentary materials” widerzugeben, statistisch aufzubereiten, sowie in Untersuchungsanordnungen umzuformen in deren Rahmen dann weitere Experimente durchgeführt und statistisch ausgewertet werden.
Sie verliert kein Wort zum Problem der sozialen Erwünschtheit von Aussagen der von ihr interviewten Personen. Kein Wort zur Rolle des Forschers bei der Interaktion mit Zu-Erforschenden. Keine Reflexion darüber, ob und wie die Ergebnisse ihrer Arbeit durch die Art der Datenerhebung beeinflusst wurden.

Ein ähnliches Bild bot sich mir nach der Lektüre ihres fast schon zum Klassiker gelobten Buches “Die Verfassung der Allmende”. Ich konnte absolut keine Angaben dazu finden, wie sie die von ihr interpretierten Daten erhebt oder warum sie diese Daten auf diese und nicht auf jene Weise interpretiert.

In dem Buch “Soziologische Handlungstheorie: Eine Einführung Von Bernhard Miebach” wird die von Ostrom durchgeführte “Methode” sogar mit einem eigenen Namen geehrt – “Methode der empirischen Fallbeispiele” – allerdings ist damit weniger eine Methode gemeint, mit der man als Forscher Daten erhebt und analysiert, sondern eine Methode mit Daten in ein Modell eingefügt werden. Finde ich sehr problematisch, weil man dabei so tut, als ob Prozesse menschlichen Handelns vom Forscher völlig unbeeinflusst blieben.

Feldforscher mit denen ich mich bisher bekannt gemacht habe, setzen sich recht intensiv mit den Methoden auseinander, mit denen sie sich das Feld zugänglich gemacht und Daten erhoben haben (z.B. Munch, Chantal: Die Effektivitätsfalle. Bürgerschaftliches Engagement und Gemeinwesenarbeit zwischen Ergebnisorientierung und Lebensbewältigung).

Nicht dass ich Ostroms Arbeit klein reden will. Aber mir scheint, dass sich Feldforscher, die das Handeln von Menschen verstehen und erklären wollen – und ich denke mal, das ist Ostroms Anspruch als Wirtschafts- und Politikwissenschaftlerin -, auch mit diesen Menschen und deren Handeln und mit ihrer Rolle als Forscher, in der sie Menschen und Handeln beeinflussen, auseinandersetzen sollten. Schade, dass ausgerechnet eine Nobelpreisträgerin, die auch für ihre Feldforschungen ausgezeichnet wurde, auf dem Gebiet der Feldforschung so dünne Bretter gebohrt hat.

Falls ich da was übersehen habe, bitte in den Kommentaren ergänzen.

  1. man sprach sogar davon, dass sie die Realität in die Ökonomie zurückgeholt hätte: Elinor Ostrom and a Nobel Reality Check for the Economics Field []
  2. Ostrom, Elinor. 1965. Public Entrepreneurship: A Case Study in Ground Water Basin Management. Ph.D. thesis, University of California, Los Angeles. S.17 []