Elbwalzer

Eigentlich wollte ich nur einen instrumentalen Lückenfüller für ein Liveprogramm schreiben. Nun ist die Lücke a) besser als das Drumherum und b) live für eine One Man Band unspielbar. – Es wird Zeit, dass ich mich nach Musikern umsehe oder mir eine clevere Loop-Lösung ausdenke.

Zu hören sind eine, in den 1930ern von Josef Fischer in Brunndöbra gebaute, Mandolinette, sowie eine Parlour-Gitarre und eine 12-saitige Westerngitarre jeweils von Art & Lutherie. Die Aufnahme und das Mischen erfolgte mit Ardour 4. Den Track habe ich unter CC-BY lizenziert.

So geht sächsisch

Die neue Image-Kampagne des Freistaates Sachsen geht heute deutschlandweit an den Start. Nachdem Ministerpräsident Tillich bereits am Wochenende in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ erklärte, der Islam gehöre nicht zu Sachsen, solle jetzt mit einer deutschlandweiten Plakataktion „Lust auf ein traditionsbewusstes Bundesland“ gemacht werden, so Regierungssprecherin Christa Roock.

Das Hauptmotiv der neuen PR-Kampagne des Freistaates Sachsen wird voraussichtlich so aussehen:
so geht nazi

Ein weiteres Motiv mit der weltberühmten Frauenkirche im Hintergrund wird so gestaltet sein:
so geht mobbing

Ziel der neuen sächsischen PR-Kampagne sei es, die einzigartige kulturelle Vielfalt des Freistaates (Klöppeln, Ostereiermalen, Biertrinken) deutschlandweit bekannt zu machen.

Eifersüchtige Erstgeborene

Diese Metapher für die Pegida-Anhänger ist mir gestern in einem Gespräch eingefallen. Die Pegida-DemonstrantInnen und viele ihrer Aktionen und Kommentare erinnern mich an das Verhalten eines erstgeborenen Kindes, dass nach Geburt eines jüngeren Geschwisters Angst um seinen eigenen Status hat. Sowohl das Beharren auf den eigenen, als berechtigt empfundenen, Ansprüchen, das Verweigern von Zuwendungen an zuwendungsunwürdige Leute, als auch das Zeigen auf die Verfehlungen der Neuen wirken sehr kindisch.

Ich frage mich, woher das aktuelle Dresdner Rumgekindsche kommt. Ich vermute: Viele Ostler (ich eingeschlossen) haben m.E. immer noch am Systemwechsel zu knabbern: Sicherheiten, Karrieren und Anschauungen wurden vor 25 Jahren schneller über den Haufen geworfen, als man „Wir sind das Volk“ rufen konnte. Wem wurde der Teppich damals nicht unter den Beinen weggezogen? Viele der damals aufgekommenen Ängste (vor Arbeitslosigkeit, Demütigung, Armut, Statusverlust) wurden unter den Teppich gekehrt, man betonte die Chancen, man war endlich frei, hatte Westgeld, verherrlichte Helmut Kohl und den Westen, wählte die CDU, konnte reisen und blieb der Heimat treu.

Für viele Sachsen haben sich die Hoffnungen der Wende nicht erfüllt, viele von ihnen hängen noch ganz schön in den Seilen1, manche haben immer noch dolle zu schlucken2 und zu kauen3. Wenn ich Mediziner wäre, würde ich von Symptomen reden.

Die verdrängten Ängste und die Enttäuschungen werden jetzt wieder handlungsleitend, da sich jemand anbietet, gegen den man sie richten kann. Diese Fremden: die gehören nicht hierher, die essen und trinken uns die Suppe weg, die nehmen uns die Frauen weg. Unsere Eltern („die Lügenpresse“, „die korrupten Politiker“) haben uns nicht mehr lieb, das heißt, wir müssen uns zur Wehr setzen und damit ist nicht die Feuerwehr gemeint.

Jetzt hör ich mal auf mit Psychologisieren. So eine intensive Selbstanalyse kostet ja auch ganz schön Kraft.

  1. Sachsen ist das Bundesland mit den meisten durch Selbstmord getöteten Männern ((https://www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/Gesundheitswesen/AktuellSuizid.html []
  2. Sachsen ist neben Bayern das Bundesland mit dem höchsten Alkoholverbrauch – nur, in Sachsen sterben sie auch noch daran, im Gegensatz zu Bayern []
  3. Sachsen sind die Deutschen mit dem höchsten BMI []

Ex

Ich hatte vor einem knappen Jahr über den großen Baum an der Sachsenallee geschrieben. Vor 2 Wochen ist er nun gefällt und entwurzelt wurden. Schade schade Haarpomade. Nach der Fällung habe ich den Stamm nochmal fotografiert (s.u.). Ein anderer Mann hatte auch gerade geknipst – ähnlich wie die selbstgemalten Bilder, die vor einem Jahr an den Stamm geheftet wurden, deute ich das mal als ein Zeichen für ein gewisses öffentliches Interesse an dem Baum. P1000676P1000675

P.S. Im Neustadt-Geflüster (Artikel über Sanierung der Albertbrücke) beziehen sich einige Kommentatoren und Kommentatorinnen auch auf den frisch gefällten Baum. Schön, dass er aufgefallen ist.

P.P.S. Beim Vorbeiradeln habe ich heute gesehen, dass der nächste Kandidat wohl auch fällig ist. Eine jüngere Eiche (geschätzt 20-40 Jahre), die neben dem Koloss stand und letztes Jahr noch prächtig grünte, ist bisher auch noch völlig kahl.

Tritt auf, tritt auf!

Unsere Band tritt auf und zwar mitten während der folgenden Krisen: Finanz-Krise, Krim-Krise und (JETZT NEU!) Band-Krise*. Am Dienstag, den 18.03.2014, in der Lutherstraße 33 um 21 Uhr.
Der Eintritt ist frei, Systemische Band-Berater sind willkommen.

*Krise, die: von gr. krinein: „unterscheiden, entscheiden, beurteilen, mit neuen Musikern proben“