Alimentäre Praxen

In letzter Zeit wurde ich per E-Mail ab und zu von mir unbekannten Studierenden nach meiner Diplomarbeit gefragt. Okay, es war seit Anfang des Jahres drei Mal.

Viele der Anfragenden (um genau zu sein: zwei) haben einen Hintergrund im Bereich der Sozialen Arbeit und versuchen die Idee der Commons für die Soziale Arbeit nutzbar zu machen. Das freut mich, da ich die Auseinandersetzung mit Gemeingütern in der Sozialen Arbeit für eine wichtige Sache halte. Noch mehr freuen mich diese Anfragen, weil ich in meiner Diplomarbeit durch empirisches Arbeiten zeigen konnte, dass Gemeingüter, deren Diskurs sehr stark durch die Wirtschaftswissenschaft geprägt ist, nicht das non plus Ultra des sozialen Denkens darstellen, sondern, dass Gemeingüter eine wirtschaftswissenschaftlich geprägte Form des Denkens und Sprechens über Soziales darstellen, neben denen viele andere Formen des Denkens und (Nicht-) Sprechens existieren, (Kunst, Soziales, Wahnsinn, politischer Aktivismus, Punk … ) die jedoch mitunter durch wirtschaftliches Denken und Sprechen (z.B. Denken in Gemeingütern, Sprechen über Gemeingüter) kolonisiert werden.

Gerne würde ich meine Diplomarbeit hier veröffentlichen, um den Informationsbeschaffungsaufwand für Neugierige und Interessierte gering zu halten. Bisher habe ich mich allerdings gescheut, das zu tun, weil es trotz Anonymisierung möglich ist, Rückschlüsse auf meine Untersuchungsgegenstände zu ziehen und mir meine Paranoia sagt, dass es da draußen Leute geben könnte, die diese Informationen aus politischen Gründen nutzen.

Damit das nicht passiert und vielleicht dennoch ein bisschen klar wird, worum es in der Arbeit ging und was rauskam, möchte ich hier ein kurzes Essay veröffentlichen:

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Ich glaube, ich bin überall.

Ich bin nicht etwa deswegen Mitglied in fünf unterschiedlichen sozialen Netzwerken, weil ich einen wankelmütigen Charakter hätte. Okay, ich habe einen wankelmütigen Charakter, aber das ist hier nicht der Punkt.

Vor zwei Monaten habe ich mein privates Konto bei Facebook gelöscht, weil mein Bauch meinte, dass es an der Zeit wäre, den Kapitalismus in Form der Facebook Inc. durch Entzug meiner Daten entscheidend zu schwächen. Jetzt bin ich im sozial vernetzten Kapitalismus nur noch mit einem Pseudo-Konto (mit angestrebter Freundeslosigkeit) vertreten, um die Facebook-Präsenz meines Arbeitgebers zu administrieren. Um jedoch auch privat weiterhin medial sozial sein zu können, habe ich mich bei einem der zahlreich aus dem Boden schießenden dezentralen sozialen Netzwerke namens Diaspora angemeldet.

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Die Information der Gefühle

Neulich fand hier in der Gegend die (vermutlich nicht legale) Premierenfeier der deutschsprachigen Untertitel von Adam Curtis‘ Film „The Century of the Self“ statt, welche mit Schnittchen (teilweise vegan), Sekt (regional), handgemachter Musik (Pop) und natürlich „Happiness machines“ – dem ersten Teil von Curtis‘ Dokumentarfilm über Aufstieg und Fall psychologischen Denkens in Politik, Wirtschaft und Popkultur – zu begeistern wusste. Nach dem Film kam es unter den Gästen zu angeregten und neugierigen Diskussionen, die mich vermuten lassen, dass Curtis nicht nur mich anmacht: Er weiß mit seinen Werken zu unterhalten und regt zu Kontroversen an.
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Here we go: Studiotalk zur Evolution des Urheberrechts mit Torsten, Fidel und Gästen

Wie versprochen, gibt’s am Sonntag, den 29.04.2012, von 19 bis 21 Uhr auf coloRadio1 eine Sendung zum Urheberrecht, in der voraussichtlich auch die Piraten ihr Fett wegbekommen werden.

Bis es soweit ist, gibt es hier schon mal das Jingle:
Studiotalk zur Evolution des Urheberrechts mit Torsten, Fidel und Gästen by Torsten-3

Music von Alban Lepsy lizensiert unter Licence Art Libre

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  1. in Dresden auf 98.4 / 99.3 MHz oder weltweit im Livestream []

Let’s translate – Heute: “Adam Curtis – The Century of the Self” #2

Die zweite Folge ist geschafft. Zusammen mit Brigitte und Sebastian habe ich in den letzten Wochen die Untertitel der zweiten Folge von Adam Curtis‚ großartiger Doku „The Century of the Self“ übersetzt.
Darin beschreibt Curtis, wie sich, ausgehend von Sigmund Freuds Theorie der Psychoanalyse über Edward Bernays‚ Konzept der Öffentlichkeitsarbeit und Anna Freuds Ideen zur Anwendung der Psychoanalyse bei der Kindererziehung in den USA und Westeuropa der 30er bis 50er Jahre des 20. Jahrhunderts die Idee einer rationalen auf psychologischen Gesetzen gestützten Regierungsweise entwickelte und wie diese Regierungsform ab den 1950ern ausgelöst durch den Selbstmord von Marylin Monroe, durch Kritik von Seiten der Philosophie, wie z.B. von Herbert Marcuse und durch populärwissenschaftliche Arbeiten, u.a. Vance Packards Bestseller „Die geheimen Verführer„, zunehmend auf öffentliche Missbilligung stieß.

Die Untertitel der ersten beiden Folgen „Happines Machines“ und „The engineering of consent“ findet ihr hier.