Foucault und Iran (vorgekaut)

Thomas Lemke ist mir schon vor längerer Zeit mit verständlich und spannend geschriebenen Essays (u.a. über Gouvernementalität und über Freiheit und Sicherheit im Neoliberalismus) als Foucault-Vorkauer aufgefallen. Das meine ich positiv: wenn ich schnell mal wissen möchte, wie sich Foucault zu Thema X oder Y geäußert haben könnte (und das kommt vor), schaffe ich es nicht ansatzweise, die entsprechenden Texte herauszufinden und zu lesen, geschweige denn zu verstehen. Das macht alles Thomas Lemke für mich.

Gerade wollte ich wissen, was Foucault über die iranische Revolution gesagt hat, da habe ich ihn wieder entdeckt: „Lemke, T. (1999) Die verrückteste Form der Revolte“ – Michel Foucault und die Iranische Revolution

Ich bin mir sicher, Thomas Lemke ist viel mehr als ein Foucault-Vorkauer. Aber schon das ist ein großartiges Verdienst.

Nachrichten sind …

… wie Herrmann-Hesse-Gedichte für Leute die McDonalds-Filialen „Restaurant“ nennen.

Sonntag Nachmittag, schön bequem auf meinem roten Küchensofa, ich mache eine Übung aus Pat Pattisons Lehrbuch „Songwriting without boundaries“. Es geht um das Bilden von Metaphern, im konkreten Fall um das Finden von Eigenschaften die typisch für einen Polizisten sind; im Anschluss muss ich Dinge finden, die diese Eigenschaften teilen.
Ich überlege gerade, was eine Gnu-Mutter neben ihrer Opferbereitschaft mit einem Polizisten gleich haben könnte, als die Radio-Nachrichten aus dem Hintergrund zu einem unangemeldeten und ungelegen kommenden Kurzbesuch bei meinem Grübeln einfallen und mir klar wird: Diese Nachrichten fassen mehr Metaphern als jedes Herrmann-Hesse-Gedicht: Platzende Gespräche, ergriffene Macht, angerichtete Blutbäder, Aufschwünge, Rücktritte, Verschleppungen und das Alles im Sekundentakt.

Das hat mich ein bisschen überrascht … Metaphern dienen beim Songwriting oft dazu, von dem oft genug banalen Fall („Ich liebe sie und sie liebt mich nicht.“) abzulenken, und die Zuhörer mit Hilfe zusätzlicher Bilder emotional an die Geschichte zu binden. Ich vermute also jetzt, dass Journalisten primär gar nicht informieren, sondern gehört und gelesen werden möchten. Stimmt das?

Foucault gegen sich selbst

Passend zum letzten Beitrag „Endlich Ordnung“ habe ich gerade „Foucault gegen Foucault“ (im Original „Foucault contre lui-même“) – eine Arte-Doku über Michel Foucault entdeckt. Foucault hat sich, neben der diskursiven Entstehung des Wahnsinns und der Sexualität sehr intensiv mit Ordnung beschäftigt und mit der Art, wie sie gemacht und genutzt wird.

http://youtu.be/_1wv6UzXp4o

Der fünzigminütige Film scheint mir eine okaye Einführung in sein Denken zu sein, die dennoch komplett an Foucault, von dem es heißt, er versuchte Zeit seines Lebens, sich selbst los zu werden, vorbei schrammt (sag ich jetzt mal so).

Flitterwochen-Blogempfehlung

Gerade haben mich Noha und Peter aus New York besucht, zwei sehr nette Menschen, die ich beinahe adoptiert hätte. Ich lies sie dann aber doch laufen, weil sie ja in ihren Flitterwochen quer durch die Weltgeschichte reisen müssen. Der Unterschied zu normalen Flitterwochen ist der, dass Noha und Peter für ihre Flitterwochen ihre Jobs gekündigt haben um diese Zeit bis Ende 2014 ausdehnen zu können und dass sie dabei, statt in Hotels zu schlafen, sich von fremden Leuten willkommen heißen lassen, um auf deren Couches zu übernachten.

Obwohl ich die Idee auf den ersten Klick für albern hielt, so berührt mich ihr Pärchen-Reiseblog, in dem sie über ihre Abenteuer schreiben, mittlerweile doch relativ dolle. Ich würde so weit gehen, zu behaupten, dass Noha, Peter und ihr Blog „A very long honeymoon“ das Internet+Realität-verbindende Erlebnis des Monats Dezember für mich waren, noch vor dem Lömuweika (der mit einer Rekordbeteiligung aber auch nicht von schlechten Eltern war).

Wer also wissen möchte, was die beiden ehemaligen Business-Drohnen beim Duschen in München erlebten oder was ihnen in Zagreb zu schaffen machte, der sollte lesen, was sie in ihrem reich bebilderten Blog schreiben! –> „A very long honeymoon“ <–

Ein amerikanisches Paar in den Flitterwochen (Symbolbild)

Vielleicht ist es einfach schön …

Manchmal, wenn ich mich reden höre, gewinne ich den Eindruck, ein ‚alter Meckerbart‘ zu sein – eine Bezeichnung, die auf ein Kosewort meiner Mutter für meinen Vater zurückgeht. Zum Selbstbeweis, dass dieser Eindruck täuscht, folgende drei Sätze:

„Leuchtspur“ von Johannes Kühn Kehr enthält die berührendsten Gedichte, die ich seit Langem gelesen habe – die ließen  sogar meinen intellektuellen Schluckauf verschwinden.

Jan-Otmar Hesse gelingt es mit seinem Essay „Der Mensch des Unternehmens und der Produktion“ – Foucaults Sicht auf den Ordoliberalismus und die ‚Soziale Marktwirtschaft’ die Gedanken des  französischen Philosophen zum Ordoliberalismus kurz und verständlich zu skizzieren und kritisch in historische politische Bewegungen der Bundesrepublik einzuordnen.

Vielleicht ist es einfach schön … Hut ab vor Beiden!