Vor dem Mittagessen

Manchmal höre und sehe ich ängstliche und sehnsüchtige Menschen. Sie schreiben und reden über Tunesier, Moslems, Syrer, Pegidas und Juden als würden sie über Tunesier, Moslems, Syrer, Pegidas und Juden reden – was völlig unmöglich ist, schon weil es gar keine Tunesier, Moslems, Syrer, Pegidas und nur ganz wenige Juden gibt.

Ich vermute, dass viele Menschen, die über Tunesier, Moslems, Syrer, Pegidas und Juden reden, dabei nichts über diese anderen Menschen sagen, sondern etwas über ihre Sehnsüchte und Ängste gegenüber diesen anderen Menschen. Die größte Angst dabei ist wohl, die anderen Menschen könnten die Anderen sein. Vielleicht ist das die stärkste Angst, die ein Mensch empfinden kann.1

Die größte Sehnsucht dabei ist vielleicht, die anderen Menschen könnten Menschen sein, die dem Ideal des Menschen stärker gerecht werden, als man es bisher selbst konnte.

Sehnsucht und Angst können auch ohne die Anderen gestillt / nicht gestillt werden: durch Akzeptanz des Unmenschlichen und die Arbeit daran.

Vielleicht werde ich noch schnell Buddhist, bevor ich Mittagessen gehe.

  1. Noch nicht mal David Lynch würde einen Horrorfilm ohne die Inszenierung des Anderen hinbekommen. „The Straight Story“ hat m.E. nur deshalb als Non-Horror funktionier, weil nichts Anderes drin vorkam. []

Kühlen Kaffee bewahren?

No way! Jedenfalls nicht mehr. Vor einem Jahr verriet mir jemand, dass man Kaffeebohnen am besten gekühlt aufbewahrt, so dass sich das Aroma schön hält. Seit dem stelle ich die Bohnen-Kilo-Packung immer luftdicht versiegelt in die Tür meines Kühlschranks. Ich hielt mich für clever.
Heute früh fiel mir beim Mahlen des Kaffees ein, dass mein Kaffee ja nun immer gleichbleibend frisch schmeckt, egal ob ich die Packung gerade frisch „entsiegelt“ habe oder schon seit zwei Monaten anzapfe. Frisch gemahlene Bohnen aus einer frisch gekauften Packung schmecken bei mir nicht besser als die aus einer alten. Was für ein Drama!
Also werde ich die Kaffeebohnen künftig wieder außerhalb meines Kühlschranks aufbewahren, so dass sie Tag für Tag und Mü für Mü an Aroma verlieren – ohne dass ich es bemerke, da ich mich ja langsam „nach unten gewöhne“. Ist die Packung dann nach 2 Monaten alle, kaufe ich mir eine neue und trinke endlich wieder schön aromatischen Kaffee. Clever, oder? Sollte man mit Allem so machen.

Alimentäre Praxen

In letzter Zeit wurde ich per E-Mail ab und zu von mir unbekannten Studierenden nach meiner Diplomarbeit gefragt. Okay, es war seit Anfang des Jahres drei Mal.

Viele der Anfragenden (um genau zu sein: zwei) haben einen Hintergrund im Bereich der Sozialen Arbeit und versuchen die Idee der Commons für die Soziale Arbeit nutzbar zu machen. Das freut mich, da ich die Auseinandersetzung mit Gemeingütern in der Sozialen Arbeit für eine wichtige Sache halte. Noch mehr freuen mich diese Anfragen, weil ich in meiner Diplomarbeit durch empirisches Arbeiten zeigen konnte, dass Gemeingüter, deren Diskurs sehr stark durch die Wirtschaftswissenschaft geprägt ist, nicht das non plus Ultra des sozialen Denkens darstellen, sondern, dass Gemeingüter eine wirtschaftswissenschaftlich geprägte Form des Denkens und Sprechens über Soziales darstellen, neben denen viele andere Formen des Denkens und (Nicht-) Sprechens existieren, (Kunst, Soziales, Wahnsinn, politischer Aktivismus, Punk … ) die jedoch mitunter durch wirtschaftliches Denken und Sprechen (z.B. Denken in Gemeingütern, Sprechen über Gemeingüter) kolonisiert werden.

Gerne würde ich meine Diplomarbeit hier veröffentlichen, um den Informationsbeschaffungsaufwand für Neugierige und Interessierte gering zu halten. Bisher habe ich mich allerdings gescheut, das zu tun, weil es trotz Anonymisierung möglich ist, Rückschlüsse auf meine Untersuchungsgegenstände zu ziehen und mir meine Paranoia sagt, dass es da draußen Leute geben könnte, die diese Informationen aus politischen Gründen nutzen.

Damit das nicht passiert und vielleicht dennoch ein bisschen klar wird, worum es in der Arbeit ging und was rauskam, möchte ich hier ein kurzes Essay veröffentlichen:

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Von Tomaten und Piraten

Versteckt hinter Rosenstrauch und Distelkraut liegt die kleine Tomatenplantage.

Nicht ganz legal reifen auf einer Brache in Dresden-Löbtau seit einem Monat ein paar Tomaten. Denn Gott Lob hat uns der Grundstücksnachbar, der uns beim Pflanzen „erwischte“, darüber aufgeklärt, dass uns das Land, das wir da gerade umgegraben hatten, ja gar nicht gehört. Noch bevor ich ihn fragen konnte, was er mit „gehören“ meint, kam mir seine schnelle Linke zuvor, der ich allerdings mühelos ausweichen konnte: Er: „Und überhaupt, was pflanzen Sie denn da eigentlich?“ – Ich: „Tomaten.“ – Er (mein Gesicht mit zusammengekniffenen Augen musternd): „Tomaten, ja?“  … Continue reading

Anybody up for Probelesen?

Anybody else?

Nachdem im letzten Jahr unzählige Liter Sterni, Fattigauer und Weiß-der-Geier was noch durch meinen Körper durchgeflossen sind, ihm in Kooperation mit veganen Mahlzeiten eine etwas neue Form gegeben haben (ja, Feldforschung ist gefährlich) und mein Kopf beim Nachdenken und Schreiben über Voküs glücklicher Weiße mehrere Male ordentlich außer Kontrolle geriet, … Continue reading