Alimentäre Praxen

In letzter Zeit wurde ich per E-Mail ab und zu von mir unbekannten Studierenden nach meiner Diplomarbeit gefragt. Okay, es war seit Anfang des Jahres drei Mal.

Viele der Anfragenden (um genau zu sein: zwei) haben einen Hintergrund im Bereich der Sozialen Arbeit und versuchen die Idee der Commons für die Soziale Arbeit nutzbar zu machen. Das freut mich, da ich die Auseinandersetzung mit Gemeingütern in der Sozialen Arbeit für eine wichtige Sache halte. Noch mehr freuen mich diese Anfragen, weil ich in meiner Diplomarbeit durch empirisches Arbeiten zeigen konnte, dass Gemeingüter, deren Diskurs sehr stark durch die Wirtschaftswissenschaft geprägt ist, nicht das non plus Ultra des sozialen Denkens darstellen, sondern, dass Gemeingüter eine wirtschaftswissenschaftlich geprägte Form des Denkens und Sprechens über Soziales darstellen, neben denen viele andere Formen des Denkens und (Nicht-) Sprechens existieren, (Kunst, Soziales, Wahnsinn, politischer Aktivismus, Punk … ) die jedoch mitunter durch wirtschaftliches Denken und Sprechen (z.B. Denken in Gemeingütern, Sprechen über Gemeingüter) kolonisiert werden.

Gerne würde ich meine Diplomarbeit hier veröffentlichen, um den Informationsbeschaffungsaufwand für Neugierige und Interessierte gering zu halten. Bisher habe ich mich allerdings gescheut, das zu tun, weil es trotz Anonymisierung möglich ist, Rückschlüsse auf meine Untersuchungsgegenstände zu ziehen und mir meine Paranoia sagt, dass es da draußen Leute geben könnte, die diese Informationen aus politischen Gründen nutzen.

Damit das nicht passiert und vielleicht dennoch ein bisschen klar wird, worum es in der Arbeit ging und was rauskam, möchte ich hier ein kurzes Essay veröffentlichen:

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Nationalstolz ist Kinderkrippe

Im Rahmen des Tages der Architektur habe ich am vergangenen Wochenende eine/-n Dresdner Kinderkrippe/-garten von innen gesehen. Unübersehbar, in meinen Augen dominant, hängen quer durch ein Spielzimmer etwa 20 schwarz-rot-goldene Papierwimpel. Ich bekomme die Fähnchen gedanklich im ersten Moment gar nicht als Nationalsymbole gerendert. Bin nur sprachlos. Andere an den Wänden verteilte Deko-Elemente lassen einen Bezug zur Fußball-EM vermuten. Ich denke: „WTF? – Die DDR lebt!“

Jetzt, aus einer gewissen emotionalen Entfernung betrachtet, versuche ich mich nüchtern zu befragen, was die „Institution Nation“ für Vorteile hat. Und für wen. Nachteile? Was überwiegt? – Ich sehe Vorteile für Wenige und Nachteile für Viele. Ich denke: die Zeit ist noch nicht reif. Und: Was würde ich als Erzieher in einem solchen Kindergarten machen? Das Selbe wie im Osten: die Klappe halten? Keine Ahnung, aber Eines ist klar: – Nationalismus ist was für Babys.

Let’s translate – Heute: „Adam Curtis – The Century of the Self“

Ich halte Adam Curtis für einen gleichermaßen durchtriebenen wie genauen Dokumentarfilmer. Seine Filme sind mir immer wieder willkommene Steine des Anstoßes und ich würde seine vierteilige BBC-Serie „The Century of the Self“ (2002) nun gerne mal mit deutschen Untertiteln (ver)sehen. Die englische Origninalserie ist bei archive.org stream- und downloadbar und die englischen Untertitel gibt es hier im SRT-Format.

Was ich jetzt tue ist Folgendes: … Continue reading

Anybody up for Probelesen?

Anybody else?

Nachdem im letzten Jahr unzählige Liter Sterni, Fattigauer und Weiß-der-Geier was noch durch meinen Körper durchgeflossen sind, ihm in Kooperation mit veganen Mahlzeiten eine etwas neue Form gegeben haben (ja, Feldforschung ist gefährlich) und mein Kopf beim Nachdenken und Schreiben über Voküs glücklicher Weiße mehrere Male ordentlich außer Kontrolle geriet, … Continue reading

Wissenschaft im Mixer

In der DDR hieß es ja mal eine Zeit lang „Wissenschaft in die Produktion!“ (Oder irre ich mich da? Kann gerade keinen Nachweis finden. Ist das nur mein kleines Hirngespinst?) Das ist jedoch schon lange her und heute geht es hier um das Thema „Wissenschaft im Mixer“.

"Zum Schluss fügen Sie noch eine Baggerspitze klein geraspelten Bourdieu hinzu." Aus: Kochen in VoKüs - satt und froh mit Foucault und Co.)

In einer Einführungsveranstaltung zur Politikwissenschaft, die ich vor drei Jahren hier an der Uni besuchte, wurde mir als bis dato ahnungslosem Studenten gleich auf einer der ersten Powerpoint-Folien erklärt: … Continue reading