Lömuweika 2013

Der Löbtauer Musikalische Weihnachtskalender geht heuer in seinen möglicherweise fünften Winter. Mehr gibt’s dazu eigentlich nicht zu sagen. Wer will, macht mit, geht hin, kommt vorbei oder sieht sich’s dann im ARD-Brennpunkt an. Bis dahin gibt’s das Lömuweika-Wiki 2013.

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Wird die mittlerweile verkehrsberuhigte Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße (hier ein Foto von 1989) in diesem Winter Schauplatz eines Lömuweika-Türchens?

Alimentäre Praxen

In letzter Zeit wurde ich per E-Mail ab und zu von mir unbekannten Studierenden nach meiner Diplomarbeit gefragt. Okay, es war seit Anfang des Jahres drei Mal.

Viele der Anfragenden (um genau zu sein: zwei) haben einen Hintergrund im Bereich der Sozialen Arbeit und versuchen die Idee der Commons für die Soziale Arbeit nutzbar zu machen. Das freut mich, da ich die Auseinandersetzung mit Gemeingütern in der Sozialen Arbeit für eine wichtige Sache halte. Noch mehr freuen mich diese Anfragen, weil ich in meiner Diplomarbeit durch empirisches Arbeiten zeigen konnte, dass Gemeingüter, deren Diskurs sehr stark durch die Wirtschaftswissenschaft geprägt ist, nicht das non plus Ultra des sozialen Denkens darstellen, sondern, dass Gemeingüter eine wirtschaftswissenschaftlich geprägte Form des Denkens und Sprechens über Soziales darstellen, neben denen viele andere Formen des Denkens und (Nicht-) Sprechens existieren, (Kunst, Soziales, Wahnsinn, politischer Aktivismus, Punk … ) die jedoch mitunter durch wirtschaftliches Denken und Sprechen (z.B. Denken in Gemeingütern, Sprechen über Gemeingüter) kolonisiert werden.

Gerne würde ich meine Diplomarbeit hier veröffentlichen, um den Informationsbeschaffungsaufwand für Neugierige und Interessierte gering zu halten. Bisher habe ich mich allerdings gescheut, das zu tun, weil es trotz Anonymisierung möglich ist, Rückschlüsse auf meine Untersuchungsgegenstände zu ziehen und mir meine Paranoia sagt, dass es da draußen Leute geben könnte, die diese Informationen aus politischen Gründen nutzen.

Damit das nicht passiert und vielleicht dennoch ein bisschen klar wird, worum es in der Arbeit ging und was rauskam, möchte ich hier ein kurzes Essay veröffentlichen:

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Das L-Wort

Ich lasse mich morgens immer von diesen grandiosen sächsischen Radiosendern wecken. Das funktioniert gut, weil deren Kommentare und Musik in der Regel so geartet sind, dass ich sehr schnell aufstehe und das Radio ausmache, um einem Schreikrampf vorzubeugen.

Heute früh war ich mir allerdings sicher, dass einer dieser Sender endlich von wohlmeinenden Piraten gekapert worden sein muss, denn eine ungewöhnlich normal klingende Sprecherin verkündete:

  • Die Inhaltsstoffe von Schokokeksen und Katzentrockenfutter sind zu 98.3% miteinander identisch.
  • Rating-Agenturen haben die Akzeptanz der Demokratie als Regierungsform für Deutschland um 3 Punkte auf CCC (Doppelramsch mit Bienchen) herabgestuft.
  • Wissenschaftler des CERN konnten bei weiteren Untersuchungen zur Bestimmung des Higgs-Teilchens feststellen, dass es niemals entweder zu spät und oder zu zeitig sein kann, sondern dass nur beide Zustände – zu spät und zu zeitig – gleichzeitig auftreten können.
  • Der Löbtauer Musikalische Weihnachtskalender, auch LöMuWeika genannt, für 2012 ist online.

Nach diesen willkommenen und gut verständlichen Nachrichten bin ich gleich wieder ganz entspannt eingeschlafen. Zwei Stunden später wurde ich dann wieder durch Radionachrichten geweckt (da scheint es eine mir bisher entgangene Schlummerfunktion an meiner Anlage zu geben) und alles schien normal.

In Löbtau spielt die Musik

Meine Kulturempfehlung für Dresden im Monat Dezember ist der Lömuweika, der Löbtauer Musikalische Weihnachtskalender. Der wird auch in diesem Jahr wieder vom 01.12. bis zum 24.12. von LöbtauerInnen in ihrer liebevollen Mischung aus Schnoddrigkeit und Faulheit und mit Hilfe eines Wiki organisiert. In dieses Lömuweika-Wiki können sich MusikerInnen oder Schaffende anderer Kunstgattungen eintragen, wenn sie an einem der Vorweihnachtsabende irgendwo auf den Straßen, Plätzchen und Gassen Löbtaus ein Ständchen geben wollen. BesucherInnen können in diesem Wiki dann sehen, an welchem Tag und an welchem Ort sich dann in den frühen Abendstunden der Vorweihnachtszeit in Löbtau ein Türchen öffnet.

  • Das Wiki ist zu finden unter Lömuweika-Wiki
  • Dazu gibt es auch noch einen öffentlichen Blog, der von den Auftretenden genutzt werden kann, um sich vorzustellen. Dieser Blog ist unter dem Namen Lömuweika-Blog zu finden.

Dahinter steht keine Bullshit-Werbegemeinschaft oder Löbtau-Gewerbeinitiative, sondern eine handvoll Leute (zu denen auch DU gehören kannst), die eben gerne Musik machen und Lömuweikas organisieren. Prima, oder? Also, mach mit beim Lömuweika!

Eigentümliches Eigentum

Zwei poppige Beiträge, welche die Kritik am bürgerlichen Eigentumsbegriff für mich nochmal ganz gut begreifbar machen:

  1. Sabine Nuss, die Autorin von „Copyright und Copyriot“, umreist den Begriff des bürgerlichen Eigentums und kritisiert die Vorstellung, Eigentum sei etwas Natürliches:


  2. Das aus dem 17. Jahrhundert stammende englische Gedicht „The Enclosure Movement“ über die Einhegung gemeinschaftlich genutzter Landflächen im neuzeitlichen England gibt es Dank Silke Helfrich und Musikdieb jetzt auch auf deutsch:

Das Gesetz bestraft Männer und Frau‘n,
die der Allmende Gänse klau‘n.
Doch dem größ‘ren Schurken es erlaubt,
Dass der Gans er die Allmende raubt.

Sühne das Gesetz befiehlt,
Für den, der and‘ren etwas stiehlt.
Doch es verschont die Herrn und Damen,
die uns allen die Allmende nahmen.

Das arme Volk wird eingesperrt,
wenn zum Gesetzesbruch es sich verschwört.
Dies sei so recht; doch duldet man,
die Verschwörung, die das Gesetz ersann.

Das Gesetz bestraft Männer und Frau‘n,
die der Allmende Gänse klau‘n.
Und Gänse werden um so mehr gestohlen,
bis die Allmende sie zurück sich holen.