Schalt‘ doch die Statistik ab

Das scheint mir eine Möglichkeit, den möglicherweise momentan herrschenden Überwachungsmodus auf Standby zu schalten. D.I.Y.-Statistik ist momentan sehr verbreitet, hat einen großen Einfluss auf mein Verhalten und trägt zu Selbstüberwachung und Selbstzensur bei.

Ab dem 17.Jh ist die Statistik ja zu einem Instrument geworden, mit dessen Hilfe eine Regierung den Einfluss auf eine Bevölkerung nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten gestalten konnte. Die bis dato handlungsleitenden, auf religiösen Wert- und Moralvorstellungen basierenden Regierungsformen waren durch Reformationen, Revolutionen, Dreißigjährige Kriege etc. in eine Krise geraten und die bis dato ein Schattendasein fristenden Merkantilisten, Kameralisten und Physiokraten, die sich schon längst etwas Neues ausgedacht hatten um Steuererhöhungen, staatlich verordnete Preissenkungen und Zollerhebungen im richtigen Maß und zur rechten Zeit durchzuführen, gewannen an Einfluss: Mit Hilfe  wissenschaftlich fundierter Statistik konnten Regierungen nun Geburts- und Sterberaten erfassen und ebenso wie Wachstumsraten, Geschlechterverteilungen, Arbeitslosigkeit, Aus- und Einwandererzahlen, Produktionsraten etc. regulieren.1 Das Regulieren folgte mitunter medizinischen Vorstellungen, z.B. denen vom Blutkreislauf.2
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  1. http://foucaultblog.wordpress.com/2007/03/21/foucault-statistics-and-cartography/ []
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois_Quesnay []

Flitterwochen-Blogempfehlung

Gerade haben mich Noha und Peter aus New York besucht, zwei sehr nette Menschen, die ich beinahe adoptiert hätte. Ich lies sie dann aber doch laufen, weil sie ja in ihren Flitterwochen quer durch die Weltgeschichte reisen müssen. Der Unterschied zu normalen Flitterwochen ist der, dass Noha und Peter für ihre Flitterwochen ihre Jobs gekündigt haben um diese Zeit bis Ende 2014 ausdehnen zu können und dass sie dabei, statt in Hotels zu schlafen, sich von fremden Leuten willkommen heißen lassen, um auf deren Couches zu übernachten.

Obwohl ich die Idee auf den ersten Klick für albern hielt, so berührt mich ihr Pärchen-Reiseblog, in dem sie über ihre Abenteuer schreiben, mittlerweile doch relativ dolle. Ich würde so weit gehen, zu behaupten, dass Noha, Peter und ihr Blog „A very long honeymoon“ das Internet+Realität-verbindende Erlebnis des Monats Dezember für mich waren, noch vor dem Lömuweika (der mit einer Rekordbeteiligung aber auch nicht von schlechten Eltern war).

Wer also wissen möchte, was die beiden ehemaligen Business-Drohnen beim Duschen in München erlebten oder was ihnen in Zagreb zu schaffen machte, der sollte lesen, was sie in ihrem reich bebilderten Blog schreiben! –> „A very long honeymoon“ <–

Ein amerikanisches Paar in den Flitterwochen (Symbolbild)

Let’s write songs!

Ich mache seit einem Monat einen offenen Online-Kurs bei Pat Pattison zum Thema „Songwriting“ mit (https://www.coursera.org/course/songwriting). Form und Inhalt des Kurses gefallen mir sehr. Dem magisch referierenden Kursleiter sei dank, habe ich in den letzten vier Wochen mindestens fünf musikalisch Erleuchtungen gehabt, mir beim Staunen zweimal den Unterkiefer ausgerenkt und sehr viel über Texte-Schreiben gelernt.

Nun würde ich mich gerne mal für paar Stunden mit anderen Liedermachern/Gedichtebastlern/Oder-So-Ähnlichen aus Dresden und Umgebung treffen um mich über das Schreiben von Songs oder Gedichten auszutauschen.

Hat jemand Lust auf einen solchen kleinen Kurs/Workshop/whatever? Vielleicht an einem Sonnabend im Mai?

Mein Wiki gegen Deinen Blog

Zusammen mit einem Kollegen plane ich gerade eine Live-Diskussion mit Studiogästen auf coloRadio, in der wir gemeinsam die Möglichkeiten der sog. neuen Medien für die Gestaltung von Politik beleuchten wollen.

Vor längerer Zeit hatte ich mich hier im Blog ja auch schon mal mit der Frage beschäftigt, wie Social Software genutzt werden kann, um politische Ziele zu erreichen. Aus dieser Zeit ist mir noch die Zyprexa-Kills-Kampagne in Erinnerung geblieben, bei der die unethischen Geschäftspraktiken der Arzneimittel-Firma Eli Lilly mittels Wiki und Blogs öffentlich gemacht und diskutiert wurden, mit der Konsequenz, dass die Firma 1.2 Milliarden US-$ für Vergleiche an Betroffene zahlen musste. Und auch den StudiVZ-Nutzern ist es seinerzeit gelungen, die Änderung der AGBs von StudiVZ zu ihren Ungunsten mittels StudiVZ rückgängig zu machen. Damals, im Jahr 2008, schien Social Software eine politische Wunderwaffe zu sein: Mit ihrer Hilfe konnte man Korruption aufdecken, Politiker zur Verantwortung ziehen oder sogar absetzen und wichtige Gesetze auf den Weg bringen, kurz: mittels Social Software konnte man das Gute erreichen und das Böse bekämpfen. Alles direkt vom Wohnzimmer-Sessel aus.

Drei Jahre später scheint die Euphorie der Nüchternheit gewichen zu sein: Diskussionen können auch dann unübersichtlich werden und endlos lange dauern, wenn sie mittels Liquid Feedback geführt werden. 100.000 Facebook-Likes führen nicht automatisch dazu, dass Innenstädte lebenswerter werden. Bürger-Blogger konnten den Krieg in Syrien nicht verhindern.1 Und was ist eigentlich aus der Petition geworden, bei der binnen 3 Tagen scheinbar halb Deutschland gegen… äh tja, was war es eigentlich nochmal … gestimmt hat?

Wie steht es im Jahr 2013 mit dem Versprechen, dass die neuen Medien zu einer besseren, bürgerfreundlicheren und partizipativeren Politik führen könnten? Was sind Eure Erfahrungen mit neuen Medien und Politik? Habt ihr mit neuen Medien schon mal Einfluss auf die Politik genommen? Was hat sich durch Euren Blog, Euer Facebook-Konto in der Welt zum Besseren gewendet? Wie konntet ihr durch Kurznachrichten auf Twitter positiv auf Eure Umwelt einwirken?

Oder lenken Euch soziale Netzwerke & Co. eher von sinnvollem und wirkungsvollem Engagement ab? Fühlt ihr Euch von den neuen Medien als Bürger vielleicht sogar unter Druck gesetzt?

Schreibt doch mal, was ihr so denkt und für Erfahrungen gemacht habt. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, als Studiogast an der Sendung teilzunehmen? Oder anzurufen?2

  1. Haben sie den Krieg, ohne es zu wollen, in dieser Form vielleicht erst ermöglicht, weil sie die zwischen den Kriegsparteien vermittelnde Beobachtermission der Arabischen Liga mit kritischen Kommentaren unterwanderten? []
  2. Der Termin der Sendung steht zwar noch nicht fest, aber ich würde nochmal Bescheid sagen. []

My own private Forschungsfrage

Ab und zu kann man sich als Netizen ja mal um seinen virtuellen Lifestyle kümmern. Daher habe ich mir mal einen kleinen Forschungsauftrag gegeben, den ich im Laufe der Zeit hier zu beantworten versuche. Den Forschungsprozess werde ich hier über Status-Updates dokumentieren.

Als Erstes möchte ich mal Folgendes herausfinden:

Kann man ein reichhaltiges soziales Online-Leben haben, ohne von Google und Co. bei lebendigem Leibe ausgenommen zu werden, wie eine Weihnachtsgans? Konkret: Was passiert mit „meinen Daten“ (TM), wenn ich mich bei Facebook, Google+, Twitter, Identi.ca … mit einem Geisterkonto anmelde (alle Pflichtfelder falsch ausgefüllt, restliche Felder bleiben leer, als E-Mail-Adresse die Spam-Adresse genommen, die natürlich auch auf einen falschen Namen angemeldet wurde)1 und diese Netzwerke jeweils von Friendica aus mit richtigen Nachrichten (Tweets, likes, Freundesverbindungen) befüttere?

These A: Meine relevanten Daten (wer sind meine Freunde, was sind meine Vorlieben, …) bleiben bei Friendica. Google, Facebook … können keine Rückschlüsse auf das Verhalten des Nutzers ziehen, der ich bei friendica bin.
These B: Meine relevanten Daten werden quer durchs Netz gereicht. Alle Beteiligten können prima Nutzerprofile von mir erstellen.

  • Schritt 1: Überall anmelden. -> erledigt (friendica, google+, facebook, die Idioten wollen ’ne Handynummer oder ’ne Ausweiskopie. Sorry Jungs, so wird das nix mit uns. twitter, status.net, identi.ca, diaspora, libertree, myspace)
  • Schritt 2: Alle Dienste mit friendica verbingen -> to do (zu twitter und libertree geht das wie Brutter aufs Brot schmieren. Bei status.net und identi.ca ist es noch etwas fricklig. Mit Google+ funzt das verbinden nicht, da Google+ keine API anbietet.)
  • Schritt 3: Friendica und damit die verbundenen Dienste mit Daten füttern. Am besten ich konzentriere mich dabei auf ein Thema (z.B. Angeln) um schauen zu können, ob und wie Google mein Interesse für Angeln erkennt. -> to do
  • Schritt 4: Gucken, was mit meinen Daten passiert (welche tools gibt es, um self data-mining zu treiben?) -> to do

  1. kurze Zwischenfrage: Ist es überhaupt legal, sich unter falscher Adresse und falschem Namen bei GMX, Google etc. anzumelden? Möglicherweise verstößt man gegen die AGBs der Anbieter aber verstößt man damit auch gegen ein Gesetz?
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