I.P., therefore I am

Ich habe es schon oft gemacht. Heute auch schon wieder (als ‚Torsten‘ und ‚Frank‘). Ich habe mich besonders schlau dabei gefühlt und dachte, dass ich der Einzige bin, der es tut: Sockenpuppeteering – das Kommentieren von Beitragen unter verschiedenen Netz-Identitäten.
Man braucht nur seinen Namen und im Zweifelsfalls seine I.P.- Adresse ändern (was Dank anonymox ein Klacks ist) und kann dann als vermeintlich anderer Kommentator der Meinung beipflichten, die man oben geäußert hat oder nochmal mit anderen Worten schreiben, was man oben schon geschrieben hat. Bei anderen LeserInnen könnte dadurch der Eindruck entstehen, dass die Vertreter dieser Meinung besonders zahlreich sind und an dieser Meinung schon etwas dran sein muss.

Dahinter steht möglicherweise der Gedanke, die öffentliche Meinungsbildung zu beeinflussen: „Mehr Stimmen kontra Primark“ = „Mehr Gewicht gegen Primark“. So primitiv funktioniert ja letztlich Demokratie: Die Seite mit den meisten Stimmen gewinnt – egal, wie honkig die Stimmen sind.

Zahlreiche Studien der Sozialpsychologie beschäftigen sich mit der Frage, wie eine Mehrheit auf eine Minderheit und im umgekehrten Fall eine Minderheit auf eine Mehrheit so einwirken kann, dass diese ihre Meinung ändert. Die Experimente von Sherif, Asch, Moskovici, Milgram, Zimbardo … in denen Probanden, die mit mehr oder weniger offensichtlich falschen Meinungen und Verhaltensweisen konfrontiert wurden, ihre Meinung und ihr Verhalten in Richtung dieser Meinung oder dieses Verhaltens änderten, gelten als Klassiker und zeigen, dass Sockenpuppeteering eine effektive Strategie sein kann um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Es ist auch eine schwer nachzuweisende Strategie: das Vorgaukeln einer I.P.-Adresse ist kaum durchschaubar. Ich wüsste nicht, wie ich Sockenpuppen unter den KommentatorInnen meines Blogs erkennen sollte.

War PEGIDA vielleicht nur ein sozialpsychologisches Experiment der TU Dresden, um zu untersuchen, wie man mit wenig Aufwand die öffentliche Meinung beeinflusst? – So langsam wird’s dann allerdings Zeit für das De-Briefing, oder? ;)

Tauwetter

Obama und Rouhani haben miteinander telefoniert und dem kalten Krieg zwischen Iran und den USA ein Päuschen beschert (wobei mich natürlich interessieren würde, wer da wen zuerst angerufen hat), Assad hat der Vernichtung seiner Chemiewaffen zugestimmt und einer „gezielten Bombardierung“ Syriens durch „den Westen“ vorgebeugt und die CDU-Fraktion im Dresdner Stadtrat hat ihr Bestehen auf einem 4-spurigen Ausbau der Königsbrücker Straße in Dresden aufgegeben.

Das kommt alles ein Bisschen überraschend für mich. So wie wenn es plötzlich nach langer Zeit des Regens, der Kälte und der Arbeitslosigkeit unverhofft warm und sonnig wird und sich die Stellenangebote auf dem Schreibtisch sammeln.
Was passiert als Nächstes? Einführung eines Bedingungsloses Grundeinkommens? – Rückwirkend zum 01. Januar 2000? Anschließende Umleitung sämtlicher Gelder, die in die Rüstung gehen, in den Musikinstrumentenbau? – Ich bin dafür.

Schwerter zu Hackbrettern!

Einbruch bei Familie Popstar

Juli Zeh entwirft mit ihrem im ZDF ausgestrahlten Kommentar zur NSA1 zwar ein schönes Bild. Das müsste aber schärfer gezeichnet werden, um etwas Interesantes zu zeigen. Momentan sieht es noch so aus:

blured

„Julie Zeh ‚Der Einbruch im Rechtsstaat'“

Frau Zeh erklärt ihr Bild so:

„Wenn ich an die NSA-Affäre denke, sehe ich ein Haus [Damit meint sie den Rechtsstaat – T.P.], das gerade von einer Einbrecherbande [Damit meint sie die NSA.] ausgeräumt wird. Die Bewohner [… die Bürger.] stehen daneben und gucken zu. Die Hausverwaltung [… die Bundesregierung.] steht auch daneben und guckt zu. Sie ruft den Einbrechern vielleicht noch hinterher: ‘Wir verlangen schonungslose Aufklärung. Wir wollen wissen, was hier gespielt wird.’ Und die Einbrecher rufen zurück: ‘Geht in Ordnung.’, steigen ins Auto [?] und fahren davon.“

Juli Zeh wundert sich nun, dass die Bewohner des Hauses die Hausverwaltung nicht anmotzen.

„Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde: die Dreistigkeit dieser Einbrecher oder die Mischung aus Resignation und Hilfslosigkeit, mit der darauf reagiert wird.“

Ich wundere mich hingegen, was mit dem Bild los ist. Es ist verschwommen, als hätte es eine Woche im Herbstregen vor dem Haus gelegen.

Immerhin: ein Bild ist ein guter Anfang. Bei genauerer Betrachtung kann man vielleicht was damit anfangen. Vor allem wenn man die Bewohner des Hauses, deren Vertrerterinnen eine, Juli Zeh sein könnte, unter die Lupe nimmt:

Je mehr Informationen wir über uns und über die Welt um uns herum haben, desto sicherer sind wir

Diese Bewohner – also wir, die Bürger – sind, wenn ich es recht betrachte, selber Einbrecher. Als Netizens … Continue reading

  1. http://www.heute.de/Juli-Zeh-NSA-wie-Einbrecher-im-eigenen-Haus-29011972.html []

Allwissende Idioten

Das was mit „der Überwachung“ so alles gerade rauskommt, ist mir etwas zu komplex. Ich habe daher mal versucht, es auf was Einfaches, Bildliches, auch für mich Verständliches zu reduzieren. Also:

„Blogs und Facebook-Seiten sind so ähnlich wie Theaterbühnen.“ (Sag ich jetzt mal so.)

Das was auf der Bühne passiert, ist für die Öffentlichkeit bestimmt. Der Bereich hinter der Bühne ist für das Publikum oder die allgemeine Öffentlichkeit tabu. Bei Blogs ist das der Konfigurationsbereich, in den man nur mit Log-in kommt, sowie alles das, was der Blogger/die Bloggerin beim Recherchieren tut: surfen, googeln, mailen. Im Theater wird hier das Putzzeug gelagert, hier rauchen die Theaterleute ihre Pausenzigaretten und lesen ihre Zeitungen. Hier wird gearbeitet und gesoffen, … Continue reading

Weil mir zu kalt war, …

bin ich am letzten Sonnabend (23.03.) nicht mitgeradelt, als in Dresden mit einer Fahrrad-Demo auf die offenbar prekärer werdende Situation nicht-kommerzieller Initiativen aufmerksam gemacht wurde. Ich schäme mich ein wenig meiner Bequemlichkeit, die jetzt auch noch belohnt wird. Wäre ich nämlich mitgeradelt, hätte ich vielleicht eine polizeilich verordnete Erkältung, eine erkennungsdienstliche Behandlung und sicher sehr schlechte Laune bekommen. Weil ich im Prinzip aber nix dazu sagen kann, verweise ich hier auf den Bericht einer Teilnehmerin am ereignisreichen R:Ausflug vom 23.3.2013.

Die dort geschilderten Ereignisse und zu sehenden Fotos sind allerdings nur „frei erfunden“, sagt die Polizei.

(Off topic: Mm… sehr old school dieses vom Polizeipräsidenten genutzte Konzept der einen, für alle gültigen Wahrheit. Dennoch: gibt es eine Wahrheit? Ich sehne mich, ehrlich gesagt, auch ein bisschen danach. Vielleicht sollte ich zur Polizei gehen?)