Adam Curtis ist mir noch als Macher der Doku “The power of nightmares” in Erinnerung, die mich seinerzeit angenehm verstört hat – nicht wegen des, zugegebenermaßen, reichlich bewegenden Inhaltes, sondern vor allem wegen des queren Denkstils, den Curtis benutzt, um seinen Punkt zu machen. Jetzt (2009) hat Adam Curtis mit “It felt like a kiss” einen Film veröffentlicht, der sowohl die Grenzen des Genres “Politischer Dokumentarfilm”, als auch dessen, was da dokumentiert wird, gänzlich aufzulösen scheint. Wer Michael Moores Werke, Zeitgeist und Loose Change oberflächlich und paternalistisch findet, dem können Adam Curtis’ Filme vielleicht Trost spenden.
“It felt like a kiss” ist nicht ganz einfach zu verstehen, um ehrlich zu sein: er ist gar nicht zu verstehen, wenn man nicht wenigstens Curtis’ “Oh dearism” kennt, in dem er argumentiert, dass die oft emotionale Berichterstattung, der wir in den Medien ausgesetzt sind und die bei vielen Betrachtern ein Gefühl der Hilflosigkeit und des “Oh dear!” hinterlässt, ein Resultat der Emanzipation der Medien von der Politik am Ende der 1960er Jahre ist: Medienmacher wollten damals nicht mehr nur berichten und so Politiker zum Handeln bringen, sondern sie begannen, das Publikum selbst dazu bewegen, sich aufzuraffen und zu handeln:
“It felt like a kiss”, der für mich die unlogische Fortsetzung von Curtis’ Film “Oh dearism” ist, gibt’s (momentan noch) auf archive.org, wo auch andere Filme von Adam Curtis legal und kostenlos angeschaut und runtergeladen werden können.
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