Das tolle am Internet ist, dass sich jedeR über alleS auslassen kann. Da ich nicht viel von Versuchen halte, E-Partizipation zentral und von oben nach unten aufzubauen, finde ich es auch bei Weitem interessanter, die in Blogs und Foren ausgetragenen Debatten über die sog. “Dresdner Debatte” zu Gestaltung des Neumarktes zu verfolgen, als die Debatte an sich.
Das melden jedenfalls gerade diverse Medien. Nur das Helge Schneider in diesem Falle Jón Gnarr heißt und Deutschland die isländische Hauptstadt Reykjavík ist.
Ja, die Überschrift IST reißerisch, der politische Vergleich zwischen Reykjavík und Deutschland hinkt wie ein Elch mit Hüftschnupfen und ich würde mich versklaven um mehr Aufmerksamkeit auf meinen Blog zu lenken. So, would you mind your own business now? =)
Ich bin zugegebenermaßen etwas enttäuscht darüber, dass der Komiker Jón Gnarr, der als Kandidat der Spaßpartei “Die Beste Partei” am letzten Wochenende in Reykjavík die Kommunalwahlen gewonnen hat,1 nun ernsthafte Politik machen möchte und mit seinem “Schattenþing“ die Bürger von Reykjavík schon unter das Joch der E-Partizipation zwingt. Andererseits hätte es mich auch sehr gewundert, wenn es anders gekommen wäre.
Ich meine, selbst wenn man zum Beispiel mich zum Bundespräsidenten wählen würde, wäre die Gefahr hoch, dass ich mich nach ein bis zwei Wochen anarchistischen Rumkasperns hilflos den blöden Fragen der Journalisen und den maßlosen Forderungen der autoritätshörigen Bürger ergeben würde um so ein ganz normaler Bundespräsident zu werden. Irgendwie glaube ich nicht daran, dass eine Person noch Entscheidungen, jenseits des politischen Zirkus treffen kann, sobald sie in die Mühlen der Politik geraten ist.
Und auch wenn ich über Helge Schneider lieber lache, als über Olaf Schubertsprimitive mitleidserregende Auftritte, so stehen die Chancen, dass Olaf Schubert mal Oberbürgermeister von Dresden wird, m.E. weit besser, als es die Chancen für Helge stehen jemals zum Hindenburgnachfolger zu werden. So könnte Olaf Schubert im Jahr 2015 bei der dannigen Wahl zum Oberbürgermeister von Dresden den Beweis dafür antreten, dass es als Politiker doch möglich ist, keine Politik zu machen.
Daher sollte man sich doch echt noch mal überlegen, ob man am vorvorvorgestrigen Quit-Facebook-Day wirklich die richtige Entscheidung getroffen hat.
Der Song steht wie üblich unter der CC-Zero. Wie schon beim letzten Lied, habe ich auch hier für die Gestaltung der visuellen Ablenkung ein Video aus dem Prellinger-Archiv verwendet.
Bei der Aufnahme und der Bearbeitung der Musik habe ich diesmal komplett mit Open Source Software gearbeitet und muss zugeben, dass das schon eine große Umstellung gewesen ist: Während mein neues Betriebssystem Linux Mint 9 ein absolut gleichwertiger Ersatz für Windows XP darstellt, mit dem ich bisher arbeitete und auch die verfügbaren Büroprogramme (Gimp, Open Office) qualitativ mit Windows-Programmen vergleichbar sind, scheint mir, was die Bearbeitung von Klang und Videos betrifft, das Bill-Gates-Imperium meiner knuffigen Pinguinwelt ein großes Stück voraus zu sein.
Während mir unter Windows der Magix Music Maker 15 bisher ein ziemlich komfortables und intuitives Aufnehmen und Bearbeiten von Musik und Video erlaubte, habe ich unter Linux bisher keine Möglichkeit gefunden um einen Song mit Video innerhalb eines Programms zu bearbeiten. Für die Aufnahme und das Bearbeiten meiner Stimme, der Gitarre und des Geklopfes nutze ich unter Linux das Programm Audacity 1.3.12, was ganz okay ist, aber recht spartanisch wirkt. Weil die Bedienung im Vergleich zum bereits erwähnten kommerziellen Musikprogramm nicht so einfach ist und ich zu faul war, weitere Plugins zur Soundmanipulation zu installieren, habe ich mich auch entschieden, keine Effekte auf die Spuren zu legen, daher sind Stimme und Instrumente diesmal ohne künstliches Delay.
Für den Schnitt des Videos und das Zusammenfügen von Video und Audio nutze ich OpenShot 1.1.3. Dieses Videoschnittprogramm ist recht einfach gestrickt und wirkt im Handling manchmal etwas hakelig. Obwohl ich jetzt nicht der nerdigste Nerd bin und mit diesen ganzen Linux-Geschichten nicht so megamäßig vertraut bin, habe ich all in all nur 3 Tage von der Aufnahme bis zum Hochladen gebraucht. Mir scheint, dass man mittlerweile mit Open Source Software mit recht minimalem Aufwand ganz nettes Zeuchs hinfabrizieren kann.
Dass der Beat manchmal etwas schräg ist, liegt allerdings nicht an den Programmen, sondern daran, dass die Bongos diesmal von meinem parkinsonkranken Bernhardiner geklopft wurden. Der ist bei Facebook übrigens Freund von McDonalds und dem Traumzauberbaum – der Spinner.
Der Sieg der “Besti Flokkurin” unter Jón Gnarr ist erst vier Tage her, da tut sich schon etwas in der Politik von Reykjavík. Bevor ich hier jedoch weitere unverständliche Wörter auftische, will ich einen kurzen Rückblick über das bisher Geschehene geben:
Island wurde vor etwa 1000 Jahren von ein paar norwegischen Fischern besiedelt, denen das administrative System, mit dem sie sich in wechselseitiger Abhängigkeit befanden (lies: ihr König) tüchtig auf die Nerven ging. Auf der Suche nach governementalen Alternativen schipperten sie durch die Gegend und landeten irgendwann auf einem großen beheizten Felsen, den sie Island nannten. Weil es dort nichts gab, was sie störte, vor allem kein administratives System, blieben sie und machten ihr eigenes Þing. Abgesehen von ständigen Vulkanausbrüchen, Pest- und Choleraepidemien, der permanten Kolonisierung und Versklavung großer Teile der Bevölkerung durch norwegische und dänische Könige und abgesehen von Überfällen durch algerische Freibeuter und christliche Missionare lebten sie, naja, wie man angesichts solcher Umstände halt lebt: ungesund. … Continue reading ‘Reykjavík 1.73 beta’
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