In Löbtau spielt die Musik

Meine Kulturempfehlung für Dresden im Monat Dezember ist der Lömuweika, der Löbtauer Musikalische Weihnachtskalender. Der wird auch in diesem Jahr wieder vom 01.12. bis zum 24.12. von LöbtauerInnen in ihrer liebevollen Mischung aus Schnoddrigkeit und Faulheit und mit Hilfe eines Wiki organisiert. In dieses Lömuweika-Wiki können sich MusikerInnen oder Schaffende anderer Kunstgattungen eintragen, wenn sie an einem der Vorweihnachtsabende irgendwo auf den Straßen, Plätzchen und Gassen Löbtaus ein Ständchen geben wollen. BesucherInnen können in diesem Wiki dann sehen, an welchem Tag und an welchem Ort sich dann in den frühen Abendstunden der Vorweihnachtszeit in Löbtau ein Türchen öffnet.

  • Das Wiki ist zu finden unter Lömuweika-Wiki
  • Dazu gibt es auch noch einen öffentlichen Blog, der von den Auftretenden genutzt werden kann, um sich vorzustellen. Dieser Blog ist unter dem Namen Lömuweika-Blog zu finden.

Dahinter steht keine Bullshit-Werbegemeinschaft oder Löbtau-Gewerbeinitiative, sondern eine handvoll Leute (zu denen auch DU gehören kannst), die eben gerne Musik machen und Lömuweikas organisieren. Prima, oder? Also, mach mit beim Lömuweika!

6 Responses to “In Löbtau spielt die Musik”


  • Das find ich ja eine nette Idee – ein Weihnachtskalender als Commons als Alternative zu den kommerzialisierten Advent-Events :-)!
    Wunderbar und nachahmenswert!

    • Hallo Brigitte,

      danke für Deine Bemerkung. Als Commons, also Gemeingut, geht das Ding einwandfrei durch und auch als (selbstorganisierte) Gemeinwesenarbeit könnte man sowas verkaufen.

      Interessanterweise ist diese Art von Projekten m.E. jedoch auch deshalb für KünstlerInnen, CafébetreiberInnen und SozialarbeiterInnen interessant, weil sie hier einem Arbeitsethos eine Form geben können, der ihnen durch eine zunehmende Ökonomisierung und Entgrenzung von Arbeit aufgezwungen wird.

      Und: möglicherweise verstärken solche Commons auch noch Gentrifizierungsprozesse.

      Weshalb ich mich immer frage, ob es ein richtiges Commoning im falschen gibt.

  • Das versteh ich nicht:
    “weil sie hier einem Arbeitsethos eine Form geben können, der ihnen durch eine zunehmende Ökonomisierung und Entgrenzung von Arbeit aufgezwungen wird.”

    Kannst du das genauer erklären?

    • Danke für die Nachfrage, so kann ich versuchen, diesen Gedanken, den ich auch noch nicht so ganz klar habe, etwas zu verdeutlichen:
      Künstler werden von manchen Arbeitssoziologen als Vorreiter einer bohemisierten Arbeitswelt betrachtet, so z.B. von Michael Wiedemeyer, der sich in seinem Aufsatz “Das postindustrielle Arbeits-Leben – mehr „Kunst“ oder doch mehr „Werk“?” explizit damit beschäftigt oder etwas “branchenübergreifender” auch Gerd-Günther Voß, . Der durch neoliberales Denken geforderte ständig zur Selbstausbeutung und -vermarktung bereite Arbeitskraftunternehmer, ob nun Künstler, selbstständiger Barbetreiber oder Sozialarbeiter, findet im LömuweikaWiki DIE Möglichkeit zur Vernetzung und Koordinierung eines von Arbeitszeiten und anderen Grenzen von Arbeit abgekoppelten Schaffens. Sowohl Künstler als auch Caféhausbetreiber können damit bestimmen, dass und wann und wie sie ihr kulturelles, soziales und letztlich auch ökonomisches Kapital modifizieren.
      Klar, das Ganze ist für viele Künstler und Caféhausbesitzer auch Spaß, hat daneben aber eben auch für beide einen ganz klar ökonomischen Effekt: kostenlose Werbung. (Daher ist der Lömuweika m.E. auch nicht so völlig unkommerziell.) Das ist ja eigentlich schon lange so gewesen: In den Bars spielt jemand ein Piano oder eine Band tritt auf und schon ist die Bar für mehr Gäste interessanter.

      Insofern ist das vielleicht noch nix Neues. Wenn allerdings zur Verbesserung des soziokulturellen Klimas im Stadtteil ein Wiki, wie das obige, von einem entgrenzt arbeitenden Sozialarbeiter aufgesetzt wird, (der dadurch später auf Erfahrungen mit E-Quartiersmanagement verweisen kann) dann frag ich mich, wie lange es noch dauert, bis solche Wikis zu einer Ausweitung von Entgrenzung und Selbstorganisation beitragen. Eine Stadt beschäftigt dann vielleicht z.B. gar keine Gesundheitsberater mehr, sondern lässt die Bürger einfach mittels eines Wikis organisieren, wer, wann mit einer Gesundheitsexpertin ins Gespräch kommt, die das gerne für umsonst und in ihrer Freizeit tut, weil es in ihrer Welt die Worte “Freizeit” und “Gehalt” gar nicht mehr gibt, z.B. weil sie eine gut ausgebildete aber arbeitslose Vertreterin der “Generation Praktikum” ist.

      Huiuiui, das war ja ein Riesenbogen. Mm… also Kurz: Ich sehe in Commoning und Wikis einerseits emanzipatorisches aber eben auch antiemanzipatorisches Potential. Naja, sind halt auch nur Werkzeuge, die man so oder so verwenden kann.

  • hey torsten, ich wär heut zu gern zu dir gekommen, um dein musikalisches adventstürchen zu öffnen. aber ich kann nicht. mist. bist du morgen auch im weltcafe? das hab ich mir nämlich schon frei geschaufelt. wär cool, wenn man sich trifft. grüßle steph

Leave a Reply