Die Politik der Gastfreundschaft

Meine Güte, Couchsurfing fährt ja schon seit Jahren einen komischen Kurs: irgendwann am Ende des letzten Jahrtausends von Casey Fenton erdacht um heiße Isländer_innen zu daten1 und nach spektakulärem Wachstumskurs als Gastgeberdienst im November 2006 von eben jenem Casey Fenton aus Versehen gegen die Wand gefahren2 wurde es anschließend durch viele Freiwillige wieder aufgebaut.

Viele dieser Freiwilligen wechselten später zu anderen Gastgeberdiensten, nachdem ihnen die Couchsurfing-Politik zu restriktiv und intransparent erschien. Die Folge: die Couchsurfing-Seite sah lange Zeit aus, als entstamme sie der Steinzeit des Internet. Ein weiteres Problem: Lange Zeit war unklar, welchen rechtlichen Status Couchsurfing hat. Ist es ein Verein, eine Webseite oder eine Firma? Die Couchsurfing-Offiziellen taten, wenn sie gefragt wurden, so, als würden sie sich bemühen, der Organisation den 501(c)3-Status, also einen nonprofit-Status, zu geben.

Während es also lange Zeit so aussah, als ob diese grandiose Idee eines Gastgebernetzwerkes als öffentliches Gut funktionieren könnte, dessen Kosten (Server, Werbung …) von freiwilligen Helfern und SpenderInnen gedeckt werden könnten, wurde dieser Tage aber bekannt, dass Couchsurfing eine B-Corporation geworden ist und die ersten Anteile des drei Millionen Nutzer starken Netzwerkes bereits verkauft wurden,3 Couchsurfing also eine privateigentümliche Geschichte geworden ist.

Ich bin gespannt, wie sich dass auf BeWelcome – ein kleines OpenSource affines Gastgebernetzwerk mit offiziellen Vereinsstrukturen – auswirken wird. Wenn man die Kommentare vieler Couchsurfing-Nutzer_innen Ernst nimmt, dürften dessen Nutzerzahlen in den nächsten Tagen stark ansteigen – auf Kosten von Couchsurfing. Nachdem der einst bekannte und beliebte Hospitality-Club durch den autokratischen Führungsstil seines Gründers vor einigen Jahren vom bedeutendsten Gastgeberdienst zur belächeltsten Seite des Internet wurde, wäre Couchsurfing nicht das erste Social Media-Projekt, welches der Arroganz seiner CEOs zum Opfer fällt.

  1. http://www.theskinny.co.uk/travel/features/43728-the_couchsurfing_chronicles []
  2. http://techcrunch.com/2006/06/29/couchsurfing-deletes-itself-shuts-down/ []
  3. http://techcrunch.com/2011/08/24/couchsurfing-raises-7-6-m-will-users-cry-sell-out/ []

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