Wenn ich in eine VoKü komme, so bin ich nach wie vor erstaunt darüber, dass sich dort wieder Menschen an den Herd gestellt und hinter die Theke geklemmt haben um anderen einen wunderbaren Abend zu ermöglichen. Und ich frage mich immer noch, warum sie das eigentlich tun.
In einem ersten organisationstheoretischen Anlauf habe ich behauptet, dass die Aneignung von Ressourcen und die Gewährung eines aus diesen Ressourcen entstehenden Nutzens ein zentraler Punkt des Gutes VoKü sind. Nachdem ich mir nun diese erste Theorie über VoKüs gebildet habe, möchte ich dieses “Warum” nun zur Hauptfrage meiner Diplomarbeit machen. Warum tun die VoKü-MacherInnen das eigentlich?
Mein Eindruck ist, dass bisherige Theorien kollektiven Handelns – wie z.B. Garret Hardins Tragik der Allmende, Mancur Olsons Logik des Kollektiven Handelns oder Elinor Ostroms Verfassung der Allmende eine Vielzahl von spieltheoretischen, sozialpsychologischen oder rational entscheidungstheoretischen Erklärungen für Probleme anbieten, die bei der Erstellung und Erhaltung von Gemeingütern entstehen. Diese Erklärungen unterstellen den Handelnden dabei oft ganz selbstverständlich ein bestimmtes Handlungsmuster – das des Homo oeconomicus nämlich.
Ich gehe aber mal davon aus, dass sich die Motive zur Schaffung von Gemeingütern aus eine Unmenge persönlicher Erklärungen, Handlungsmotive und Sinnzusammenhänge speisen, die über eigennutzmaximierendes Verhalten weit hinausgehen.
Mich interessiert dabei, was diese persönlichen Erklärungen, Handlungsmotive und Sinnzusammenhänge sind. Wie begründen es VoKü-MacherInnen vor sich selbst und vor anderen, dass sie das tun, was sie da tun, wenn sie heute Abend wieder “VoKü machen”? Welcher Sinn und Gewinn entsteht für die VoKü-MacherInnen dadurch, dass sie es tun? Welche Selbstkonzepte haben sie, die ihnen das Leisten von Beiträgen in VoKüs erlauben? Und unter welchen Umständen hat es für die VoKü-MacherInnen keinen Sinn mehr sich in einer VoKü zu engagieren?
Interessant finde ich auch herauszufinden, welche sozialen Praktiken und Vorstellungen eine VoKü hervorbringt. Wie verändern sich diese Vorstellungen und Praktiken? Wie verändern sich die Erklärungen und die Selbstkonzepte der VoKü-MacherInnen im Laufe der Zeit?
Diese Fragen lassen sich möglicherweise durch das Konzept der Subjektiven Theorien beantworten. Da ich mich schon eine Weile mit Problemen kollektiven Handelns beschäftigt habe, interessiert mich natürlich am meisten, ob und wie diese Probleme auch in den subjektiven Theorien kollektiv Handelnder wahrgenommen werden und wie subjektive Theorien der kollektiv Handelnden zur Lösung von Problemen kollektiven Handelns beitragen.
In der subjektiven Theorie, die ich zum Schreiben meiner Diplomarbeit gebildet ;) habe heißt das: Literatur zum Forschungsfeld der subjektiven Theorien ausfindig machen und lesen.
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