Die Information der Gefühle

Neulich fand hier in der Gegend die (vermutlich nicht legale) Premierenfeier der deutschsprachigen Untertitel von Adam Curtis‘ Film „The Century of the Self“ statt, welche mit Schnittchen (teilweise vegan), Sekt (regional), handgemachter Musik (Pop) und natürlich „Happiness machines“ – dem ersten Teil von Curtis‘ Dokumentarfilm über Aufstieg und Fall psychologischen Denkens in Politik, Wirtschaft und Popkultur – zu begeistern wusste. Nach dem Film kam es unter den Gästen zu angeregten und neugierigen Diskussionen, die mich vermuten lassen, dass Curtis nicht nur mich anmacht: Er weiß mit seinen Werken zu unterhalten und regt zu Kontroversen an.
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Let’s translate – Heute: “Adam Curtis – The Century of the Self” #2

Die zweite Folge ist geschafft. Zusammen mit Brigitte und Sebastian habe ich in den letzten Wochen die Untertitel der zweiten Folge von Adam Curtis‚ großartiger Doku „The Century of the Self“ übersetzt.
Darin beschreibt Curtis, wie sich, ausgehend von Sigmund Freuds Theorie der Psychoanalyse über Edward Bernays‚ Konzept der Öffentlichkeitsarbeit und Anna Freuds Ideen zur Anwendung der Psychoanalyse bei der Kindererziehung in den USA und Westeuropa der 30er bis 50er Jahre des 20. Jahrhunderts die Idee einer rationalen auf psychologischen Gesetzen gestützten Regierungsweise entwickelte und wie diese Regierungsform ab den 1950ern ausgelöst durch den Selbstmord von Marylin Monroe, durch Kritik von Seiten der Philosophie, wie z.B. von Herbert Marcuse und durch populärwissenschaftliche Arbeiten, u.a. Vance Packards Bestseller „Die geheimen Verführer„, zunehmend auf öffentliche Missbilligung stieß.

Die Untertitel der ersten beiden Folgen „Happines Machines“ und „The engineering of consent“ findet ihr hier.

History repeats itself?

Der großartige Adam Curtis macht nicht nur verdammt heiße Dokus, sondern bloggt auch eifrig. Sein aktueller Blick (Juni 2011) auf die Geschichte westlicher Interventionen in Syrien lässt mich mit dem Gefühl zurück, dass weitere westliche Sanktionen und/oder Interventionen erneut dafür sorgen, dass der Teufel aus Syrien mit dem Belzebub ausgetrieben wird: Adam Curtis – The Baby and the Baath Water

Sein Bericht über die Umkrempelungsaktionen der USA in Syrien in den 1940- und 50ern liest sich stellenweise wie eine wilde Räuberpistole a.k.a. phantastische Verschwörungstheorie. Die dabei von Curtis genutzten Dokumente und Filme machen den Beitrag allerdings nicht nur zu einem aufregenden multimedialen Bildungserlebnis, sondern vermitteln beim Lesen etwas so Nüchternes, dass Verschwörungstheoretiker sich wahrscheinlich gelangweilt abwenden werden. Wie in Adam Curtis‘ anderen Arbeiten auch, besteht für mich dennoch der Verdacht, dass es Adams hier nicht hauptsächlich darauf ankommt, Gegeninformationen zum Standpunkt zu Mainstream-Medien zu liefern, sondern den Glauben daran zu unterminieren, dass (mehr) Informationen zu (besseren) Lösungen führen.
Und so kann es letztlich doch sein, dass alles was Curtis in seinem Beitrag schreibt, gelogen, verzerrt oder nur halbwahr ist. Dennoch und auch wenn das Checken seines Beitrages etwas länger dauern wird: Lesen, Angucken, Anhören! – Adam Curtis – The Baby and the Baath Water

Und a) weil das Lied so schön ist und ich b) den Zeilen

„History repeats itself
I didn’t learn, I wouldn’t listen
I couldn’t see the books were on the shelf
For my good sense, I never missed ‚em“

an dieser Stelle nichts Schlaues hinzuzufügen weiß: „History (repeats itself)“ von A.O.S.:

Journalismus verursacht Fettleibigkeit!

Weil fast schon Wochenende ist und sich die halbe Welt nach ein paar aufklärenden Illusionen verzehrt, gibt’s hier mal wieder ein großartiges Stückchen Medienkritik von Meta-Verschwörungstheoretiker Adam Curtis.

Und aus Anlass der Kritik, die der Sächsischen Zeitung gerade für diesen Artikel aus Blogs und Facebook entgegenweht (z.B. von hier), reiche ich folgende Kurzdoku von Adam Curtis noch nach. Curtis versucht in „The rise of „Oh Dear“-ism“ die historische Entwicklung des westlichen Journalismus der letzten 30 Jahre nachzuzeichnen.

Angesichts der persönlichen Verwicklungen und Verletzungen, die – wie obiges SäZ-Beispiel zeigt – durch Journalismus entstehen können, hoffe ich, dass sich das von Curtis beschriebene (Miß-)Verständnis von Journalismus dadurch lösen wird, dass Blogger und professionelle Journalisten in Zukunft durch gegenseitige „Angriffe“ auf der Sachebene (nach dem Schema „Es war so!“ – „Nein, es war so!“) das Konzept jener Realität transzendieren und ad absurdum führen, welches sowohl im professionellen Journalismus als auch im Bereich des Hobbyjournalismus nach wie vor die Basis für sogenannte Berichterstattung darzustellen scheint.

Let’s translate – Heute: „Adam Curtis – The Century of the Self“

Ich halte Adam Curtis für einen gleichermaßen durchtriebenen wie genauen Dokumentarfilmer. Seine Filme sind mir immer wieder willkommene Steine des Anstoßes und ich würde seine vierteilige BBC-Serie „The Century of the Self“ (2002) nun gerne mal mit deutschen Untertiteln (ver)sehen. Die englische Origninalserie ist bei archive.org stream- und downloadbar und die englischen Untertitel gibt es hier im SRT-Format.

Was ich jetzt tue ist Folgendes: … Continue reading