Demokraten, seid paranoid!

Irgendwann im Geschichtsunterricht der 8. Klasse hatte ich mal was von der wachsamen Demokratie gehört. Diese sollte vor allem wachsam gegenüber Gruppen, Initiativen, Parteien oder Einzelpersonen sein, die eine Abschaffung der Demokratie anstrebten.

Ich bin mir nicht sicher, ob diese wachsame Demokratie wachsam genug ist, wenn der Staat nun Vereine und Personen dazu anhält, sich gegenseitig zu überwachen. Das wird nämlich dank einer Initiative des Bundesfamilienministeriums in Zukunft endlich von allen Initiativen, Vereinen und Einzelpersonen gefordert, die Fördergelder vom Bund erhalten.

Continue reading

Streit zwischen Lechten und Rinken

Was mir an den mit verbaler und körperlicher Gewalt ausgetragenen Auseinandersetzungen auffällt, die in den letzten Wochen in Dresden stattfinden, ist das Betonieren, das beide „Seiten“ (wenn es denn überhaupt zwei Seiten sind) zu ihrer Lieblingsbeschäftigung zu machen scheinen. KeinE BeteiligteR kommt durch die Auseinandersetzung mit etwas voran, das außerhalb der Auseinandersetzung liegt. Meines Erachtens verstärkt sich durch das Legen von Feuer, das Vermöbeln von Leuten und das Aufrufen zum Widerstand lediglich das Festhalten an Orten (Brandanschläge auf Wohnprojekte, Verstärkung von Abwehrmaßnahmen als Reaktion) und Wahrheiten („Naziterror,“ „Zeckenschweine“, „Anschläge“, „anfgreifen“), die es nicht mehr gibt.

Katz und Dog in Betrachtung der Umwelt

Sind die Brandanschläge auf Wohnprojekte und Freiräume und die Reaktionen also ein Reflex auf den Verlust von Orten und Kennzeichen in einer Umwelt, die sich durch Beschleunigung und Verflüssigung zunehmend einer Auseinandersetzung zu entziehen scheint? Die Stein- und Brandanschläge auf Wohnprojekte und die Reaktionen erfüllen zumindest scheinbar eine Reihe konstitutiver Funktionen: Interessenten wissen wieder Bescheid, wo der Feind steht, was den Feind ausmacht und was zu tun ist. Persönlichkeitsmanagement würde ich das nennen. Andere gehen Shoppen. Oder schreiben Blogs.

Bild: Howard Wolf – Gefunden auf: Wikimedia Commons – Lizensiert unter: GFDL und Creative Commons-Attribution-Share Alike 3.0

P.S. Da die Sächsische Zeitung den Anlass nutzt, um Linke und Rechte als gleichböse Extremisten zu bezeichnen, möchte ich obiges kurz ergänzen: In meinem Verständnis gibt es einen großen Unterschied zwischen links und rechts: Linkes Denken versucht zu inkludieren und sucht dabei nach Gemeinsamkeiten bzw. bezieht sich auf Themen mit deren Hilfe Einschluss erreicht werden kann (z.B. Solidarität mit Menschen), rechtes Denken versucht zu exkludieren und sucht dabei nach Unterschieden, auf deren Basis dann ausgeschlossen werden kann (z.B. Abschiebung von Ausländern). Logisch, das mir letzteres zuwider ist.

In beiden Denk- und Aktionsrichtungen bieten sich jedoch vielfältige Angebote und Formen der individuellen Suche nach Sinn. Dies wird in Diskussionen um Auseinandersetzungen zwischen Links und Rechts oft vergessen, kann jedoch zu einem viel besseren Verständnis der Auseinandersetzungen beitragen, als ein bloß politisches Verständnis.

Dresdner Meta-Debatte

Das tolle am Internet ist, dass sich jedeR über alleS auslassen kann. Da ich nicht viel von Versuchen halte, E-Partizipation zentral und von oben nach unten aufzubauen, finde ich es auch bei Weitem interessanter, die in Blogs und Foren ausgetragenen Debatten über die sog. „Dresdner Debatte“ zu Gestaltung des Neumarktes zu verfolgen, als die Debatte an sich.

Einstiegspunkte zum Debattieren über die Debatte:

Eine Befürchtung, die sich durch viele der Beiträge über die Dresdner Debatte zieht, ist …  Continue reading

Helge Schneider wird neuer Bundespräsident

Das melden jedenfalls gerade diverse Medien. Nur das Helge Schneider in diesem Falle Jón Gnarr heißt und Deutschland die isländische Hauptstadt Reykjavík ist.
Ja, die Überschrift IST reißerisch, der politische Vergleich zwischen Reykjavík und Deutschland hinkt wie ein Elch mit Hüftschnupfen und ich würde mich versklaven um mehr Aufmerksamkeit auf meinen Blog zu lenken. So, would you mind your own business now? =)
Ich bin zugegebenermaßen etwas enttäuscht darüber, dass der Komiker Jón Gnarr, der als Kandidat der Spaßpartei „Die Beste Partei“ am letzten Wochenende in Reykjavík die Kommunalwahlen gewonnen hat,1 nun ernsthafte Politik machen möchte und mit seinem “Schattenþing“ die Bürger von Reykjavík schon unter das Joch der E-Partizipation zwingt. Andererseits hätte es mich auch sehr gewundert, wenn es anders gekommen wäre.

Ich meine, selbst wenn man zum Beispiel mich zum Bundespräsidenten wählen würde, wäre die Gefahr hoch, dass ich mich nach ein bis zwei Wochen anarchistischen Rumkasperns hilflos den blöden Fragen der Journalisen und den maßlosen Forderungen der autoritätshörigen Bürger ergeben würde um so ein ganz normaler Bundespräsident zu werden. Irgendwie glaube ich nicht daran, dass eine Person noch Entscheidungen, jenseits des politischen Zirkus treffen kann, sobald sie in die Mühlen der Politik geraten ist.
Und auch wenn ich über Helge Schneider lieber lache, als über Olaf Schuberts primitive mitleidserregende Auftritte, so stehen die Chancen, dass Olaf Schubert mal Oberbürgermeister von Dresden wird, m.E. weit besser, als es die Chancen für Helge stehen jemals zum Hindenburgnachfolger zu werden. So könnte Olaf Schubert im Jahr 2015 bei der dannigen Wahl zum Oberbürgermeister von Dresden den Beweis dafür antreten, dass es als Politiker doch möglich ist, keine Politik zu machen.

  1. The Reykjavík Grapevine vom 04.06.2010: He Really Did It! Jón Gnarr just won himself an election—we called him up to talk abut it“ []

coloradio weg …

Die Zeiten in denen linke Chaoten (im Bild zwei Coloradio-Moderatoren mit einem Karl-Marx-Gedächtnis-Propagandaapparat) die sächsischen Haushalte mit falschen Botschaften schikanierten, sind erstmal vorbei!

… und mit Radio T aus Chemnitz und Radio Blau aus Leipzig wurden die anderen beiden sächsischen Bürgerradios auch gleich noch vom Sender genommen. Autsch!

Wie das passieren konnte nachdem Coloradio erst kürzlich von der Stadt Dresden finanzielle Mittel zugesagt bekam, kann man vielleicht am besten auf dem Blog von Coloradio rausbekommen. Vielleicht auch nicht, aber auf alle Fälle ist das großer Murks. Nicht nur, weil ich vor längerer Zeit auf Coloradio mit einem Kollegen selber Sendungen über frei lizenzierte Musik gemacht habe, sondern auch weil ich gerne Coloradio gehört habe, z.B. wegen des albernen Frühstücks/x/ks(?)sradios oder wegen solch wunderbarer Musiksendungen wie der The Sold Out Show und Cuts & Mouse.

Was kann man da machen?

Gibt es weitere Blogs, Webseiten oder Medien, die über die aktuelle Entwicklung bei den drei sächsischen Bürgerradios berichten? Würde mich interessieren, falls jemand was weiß, wäre ich für einen Kommentar dankbar.

Foto: Eugen Nosko – Gefunden auf: Wikimedia Commons – Lizensiert unter: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany