Foucault und Iran (vorgekaut)

Thomas Lemke ist mir schon vor längerer Zeit mit verständlich und spannend geschriebenen Essays (u.a. über Gouvernementalität und über Freiheit und Sicherheit im Neoliberalismus) als Foucault-Vorkauer aufgefallen. Das meine ich positiv: wenn ich schnell mal wissen möchte, wie sich Foucault zu Thema X oder Y geäußert haben könnte (und das kommt vor), schaffe ich es nicht ansatzweise, die entsprechenden Texte herauszufinden und zu lesen, geschweige denn zu verstehen. Das macht alles Thomas Lemke für mich.

Gerade wollte ich wissen, was Foucault über die iranische Revolution gesagt hat, da habe ich ihn wieder entdeckt: „Lemke, T. (1999) Die verrückteste Form der Revolte“ – Michel Foucault und die Iranische Revolution

Ich bin mir sicher, Thomas Lemke ist viel mehr als ein Foucault-Vorkauer. Aber schon das ist ein großartiges Verdienst.

Vielleicht ist es einfach schön …

Manchmal, wenn ich mich reden höre, gewinne ich den Eindruck, ein ‚alter Meckerbart‘ zu sein – eine Bezeichnung, die auf ein Kosewort meiner Mutter für meinen Vater zurückgeht. Zum Selbstbeweis, dass dieser Eindruck täuscht, folgende drei Sätze:

„Leuchtspur“ von Johannes Kühn Kehr enthält die berührendsten Gedichte, die ich seit Langem gelesen habe – die ließen  sogar meinen intellektuellen Schluckauf verschwinden.

Jan-Otmar Hesse gelingt es mit seinem Essay „Der Mensch des Unternehmens und der Produktion“ – Foucaults Sicht auf den Ordoliberalismus und die ‚Soziale Marktwirtschaft’ die Gedanken des  französischen Philosophen zum Ordoliberalismus kurz und verständlich zu skizzieren und kritisch in historische politische Bewegungen der Bundesrepublik einzuordnen.

Vielleicht ist es einfach schön … Hut ab vor Beiden!

Wissenschaft im Mixer

In der DDR hieß es ja mal eine Zeit lang „Wissenschaft in die Produktion!“ (Oder irre ich mich da? Kann gerade keinen Nachweis finden. Ist das nur mein kleines Hirngespinst?) Das ist jedoch schon lange her und heute geht es hier um das Thema „Wissenschaft im Mixer“.

"Zum Schluss fügen Sie noch eine Baggerspitze klein geraspelten Bourdieu hinzu." Aus: Kochen in VoKüs - satt und froh mit Foucault und Co.)

In einer Einführungsveranstaltung zur Politikwissenschaft, die ich vor drei Jahren hier an der Uni besuchte, wurde mir als bis dato ahnungslosem Studenten gleich auf einer der ersten Powerpoint-Folien erklärt: … Continue reading

Foucault und Commons?

Nachdem ich als Sozpäd in spe in meiner wirtschaftswissenschaftlichen WG neulich damit punkten konnte, mich schon lange Zeit vor der Verleihung des Wirtschaftsnobel-Preises an Frau Ostrom mit ihren Arbeiten beschäftigt zu haben, kann man mich in letzter Zeit des öfteren in der WG-Küche dabei belauschen, wie ich die Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises des Jahres 2012 an Michel Foucault vorhersage.
In seinen Vorlesungen zur Governementalität beschäftigt er sich ja damit wie die Konzepte der Regierung, Macht und der Subjektivierung in Zusammenhang gebracht werden können bzw. in Zusammenhang gebracht wurden sein könnten. Der zweite Band in dem diese Vorlesungen veröffentlicht wurde, trägt den Titel „Geschichte der Gouvernementalität II. Die Geburt der Biopolitik“ und erlaubt einen Einblick in Foucaults Denken über das Wichtig-werden der Ökonomie als Bestandteil von Regierung im 17. und 18. Jahrhundert und die Entstehung des (Neo-)Liberalismus und seiner Mechanismen (Rationalität, Homo oeconomicus) im 19. und 20. Jahrhundert.

Für meine Diplomarbeit heißt das Folgendes:

In meiner Diplomarbeit versuche ich, die Entstehung und das Funktionieren des Kollektivgutes VoKü mit Theorien der Ökonomie zu verstehen und zu erklären. Mir kommt es dabei darauf an, die Mikroökonomie einer VoKü zu beschreiben um dabei Prozesse des Scheiterns oder Gelingens der Produktion von Kollektivgütern zu erfassen.
Bei diesem Prozess des Verstehens und Erklärens der Mikroökonomie einer VoKü spielen u.a. die Logik des kollektiven Handelns von Mancur Olson, die Institutionenanalyse von Elinor Ostrom, sowie die Erforschung kollektiven Handelns in Kibbutzim wichtige Rollen.
Wenn, wie Foucault sagt, diese von mir verwendeten ökonomischen Theorien und Modelle nicht Naturgesetzen folgend entstanden, sondern Resultat diskursiver Prozesse oder bestimmter Formen von Regierung sind dann heißt das:

  1. dass diese ökonomischen Theorien nicht Naturgesetze beschreiben und erklären, sondern Rückschlüsse auf ihre eigene Entstehung zulassen und
  2. dass ich bei meinem Prozess der Beschreibung von VoKüs ganz klar innerhalb eines ökonomischen Rahmens bleibe, der das Resultat vorangegangener diskursiver Prozesse bzw. Regierungen ist

Was mich an der ganzen Geschichte beunruhigt ist Folgendes:

Wenn VoKüs Resultat eines Handelns sein sollten, welches sich im Wesentlichen weitgehend oder teilweise unbeeindruckt von Formen der Regierung zeigt oder sich den Verstrickungsversuchen von Regierung gegenüber sogar widerständig oder ausweichend verhält, dann werde ich dieses Handeln nicht mit den Theorien von Mancur Olson oder Elinor Ostrom erfassen können. Irgendwie hätte ich dann das Thema verfehlt.

Das würde auch bedeuten, dass das Verschwinden der Allmenden nicht nur Resultat der ursprünglichen Akkumulation ist, sondern auch eines Denkentwurfes, der im 19. Jahrhundert dominant wurde. Das wiederum würde die Beschreibungsversuche von Allmenden mit Hilfe wirtschaftswissenschaftlicher Theorien zu einem Kind unserer Zeit machen, aber nichts darüber aussagen, warum es Allmenden gab/gibt und wie sie funktionier(t)en.

Es wäre toll, wenn es neben den Wirtschaftswissenschaften mehr Disziplinen gäbe, die sich mit Commons beschäftigten. Mmm… vielleicht passiert das ja gerade auf einer Ebene von Experten, die außerhalb von Wirtschafts- und Wissenschaftsbetrieb tätig sind? z.B. Peer2Peer Foundation, Commonsblog, Digitale Allmend ?