Foucault und Commons?

Nachdem ich als Sozpäd in spe in meiner wirtschaftswissenschaftlichen WG neulich damit punkten konnte, mich schon lange Zeit vor der Verleihung des Wirtschaftsnobel-Preises an Frau Ostrom mit ihren Arbeiten beschäftigt zu haben, kann man mich in letzter Zeit des öfteren in der WG-Küche dabei belauschen, wie ich die Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises des Jahres 2012 an Michel Foucault vorhersage.
In seinen Vorlesungen zur Governementalität beschäftigt er sich ja damit wie die Konzepte der Regierung, Macht und der Subjektivierung in Zusammenhang gebracht werden können bzw. in Zusammenhang gebracht wurden sein könnten. Der zweite Band in dem diese Vorlesungen veröffentlicht wurde, trägt den Titel „Geschichte der Gouvernementalität II. Die Geburt der Biopolitik“ und erlaubt einen Einblick in Foucaults Denken über das Wichtig-werden der Ökonomie als Bestandteil von Regierung im 17. und 18. Jahrhundert und die Entstehung des (Neo-)Liberalismus und seiner Mechanismen (Rationalität, Homo oeconomicus) im 19. und 20. Jahrhundert.

Für meine Diplomarbeit heißt das Folgendes:

In meiner Diplomarbeit versuche ich, die Entstehung und das Funktionieren des Kollektivgutes VoKü mit Theorien der Ökonomie zu verstehen und zu erklären. Mir kommt es dabei darauf an, die Mikroökonomie einer VoKü zu beschreiben um dabei Prozesse des Scheiterns oder Gelingens der Produktion von Kollektivgütern zu erfassen.
Bei diesem Prozess des Verstehens und Erklärens der Mikroökonomie einer VoKü spielen u.a. die Logik des kollektiven Handelns von Mancur Olson, die Institutionenanalyse von Elinor Ostrom, sowie die Erforschung kollektiven Handelns in Kibbutzim wichtige Rollen.
Wenn, wie Foucault sagt, diese von mir verwendeten ökonomischen Theorien und Modelle nicht Naturgesetzen folgend entstanden, sondern Resultat diskursiver Prozesse oder bestimmter Formen von Regierung sind dann heißt das:

  1. dass diese ökonomischen Theorien nicht Naturgesetze beschreiben und erklären, sondern Rückschlüsse auf ihre eigene Entstehung zulassen und
  2. dass ich bei meinem Prozess der Beschreibung von VoKüs ganz klar innerhalb eines ökonomischen Rahmens bleibe, der das Resultat vorangegangener diskursiver Prozesse bzw. Regierungen ist

Was mich an der ganzen Geschichte beunruhigt ist Folgendes:

Wenn VoKüs Resultat eines Handelns sein sollten, welches sich im Wesentlichen weitgehend oder teilweise unbeeindruckt von Formen der Regierung zeigt oder sich den Verstrickungsversuchen von Regierung gegenüber sogar widerständig oder ausweichend verhält, dann werde ich dieses Handeln nicht mit den Theorien von Mancur Olson oder Elinor Ostrom erfassen können. Irgendwie hätte ich dann das Thema verfehlt.

Das würde auch bedeuten, dass das Verschwinden der Allmenden nicht nur Resultat der ursprünglichen Akkumulation ist, sondern auch eines Denkentwurfes, der im 19. Jahrhundert dominant wurde. Das wiederum würde die Beschreibungsversuche von Allmenden mit Hilfe wirtschaftswissenschaftlicher Theorien zu einem Kind unserer Zeit machen, aber nichts darüber aussagen, warum es Allmenden gab/gibt und wie sie funktionier(t)en.

Es wäre toll, wenn es neben den Wirtschaftswissenschaften mehr Disziplinen gäbe, die sich mit Commons beschäftigten. Mmm… vielleicht passiert das ja gerade auf einer Ebene von Experten, die außerhalb von Wirtschafts- und Wissenschaftsbetrieb tätig sind? z.B. Peer2Peer Foundation, Commonsblog, Digitale Allmend ?

Congrats, Mrs. Ostrom!

Ha, zum ersten Mal ist es eine Frau, die den Wirtschaftsnobelpreis bekommt! Frau Elinor Ostrom ist mir vor allem durch Ihre großartigen Untersuchungen zu Allmenderessourcen ein Begriff geworden, mit denen sie den Neokons und deren gebetsmühlenartigen Beschwörungen von Hardins „Tragik der Allmende“ und den daraus folgenden Forderungen nach Privatisierung von möglichst Allem, schön die Butter vom Brot nimmt. Es lebe die Allmende, deren Verfassung und Erforschung!

Besonders schätze ich die Art, mit der sie sich der Erforschung von Wäldern, Bewässerungssystemen und Fischbeständen gewidmet hat. Neben zahlreichen Experimenten, die sie im Labor durchgeführt hat, um herauszubekommen, wie es Menschen schaffen, ein Kollektivgut herzustellen und zu erhalten, hat sie auch immer wieder Feldforschungen betrieben um zu erfahren, wie es Menschen z.B. in Nepal schon seit Jahrtausenden gelingt, ihren Gemeindewald nachhaltig zu bewirtschaften oder, warum es Bauern in Sri Lanka nicht hinbekommen, ihre Felder gemeinschaftlich zu bewässern.

Nur durch solch ein Schauen auf die Akteure scheint es mir ansatzweise möglich, Wirtschaft vom Menschen her zu denken und nicht – wie es in der momentan dominanten Marktwirtschaft getan und gefordert wird – andersherum der Wirtschaft alle anderen Werte zu opfern.

Einen interessanten Lebenslauf von Frau Ostrom kann man an dieser Stelle finden und eine in 10 Minuten lesbare Zusammenfassung ihres bekanntesten Werkes „Governing the commons“ findet der geneigte Leser hier.

Come on, common!

Einfach nur aus Freude über die 18.000 neuen CC-BY SA lizenzierten Fotos, welche die SLUB Dresden aus ihrer Bilddatenbank, der Fotothek, den Wikimedia Commons soeben zur Verfügung gestellt hat, möchte hier ein paar Beispiele dieser Bilder posten und sagen, dass das in meinen Augen mal eine sehr korrekte Aktion der Sächsischen Landes und Universitätsbibliothek ist.

Richard Peter: Dresden. Blick vom Neustädter Elbufer in Höhe des Japanischen Palais nach Südosten auf die Altstadt bei Nacht. 1933/1944 – Bild gefunden auf Wikimedia Commons

Eugen Nosko: Obstlagerung. 1977 – Bild gefunden auf Wikimedia Commons

Richard Peter: Dresden. Haus Altmarkt mit parkenden Autos. 1956 – Bild gefunden auf Wikimedia Commons

Richard Peter: Dresden. Arbeitseinsatz, Kinder beim Zureichen von Ziegeln. 14.02.1953 – Bild gefunden auf Wikimedia Commons

Etwas störend finde ich allerdings die Quellenangabe, mit der die Fotothek jedes Foto verziert hat (ist das jetzte schon Taggen?), aber das Problem kann man ja mit Gimp ganz schnell lösen.

Insbesondere für Dresdner dürften die Bilder von Richard Peter interessant sein, der vor, während und nach dem Krieg hunderte, vielleicht tausende Fotos in und um Dresden gemacht hat.

Begeistert bin ich auch deswegen, weil diese Bilder jetzt als Kollektiveigentum zugänglich sind und im Rahmen der „Creative Commons Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ von Jederfrau weiterveröffentlicht und bearbeitet werden dürfen und zwar auch kommerziell. Gleichzeitig fühlt sich das auch irgendwie gespenstisch an. Was bekommt man heutzutage schließlich noch geschenkt?

Und a propos „gespenstisch“: Sind wird jetzt wieder ein Stück näher am Kommonismus?