Helge Schneider wird neuer Bundespräsident

Das melden jedenfalls gerade diverse Medien. Nur das Helge Schneider in diesem Falle Jón Gnarr heißt und Deutschland die isländische Hauptstadt Reykjavík ist.
Ja, die Überschrift IST reißerisch, der politische Vergleich zwischen Reykjavík und Deutschland hinkt wie ein Elch mit Hüftschnupfen und ich würde mich versklaven um mehr Aufmerksamkeit auf meinen Blog zu lenken. So, would you mind your own business now? =)
Ich bin zugegebenermaßen etwas enttäuscht darüber, dass der Komiker Jón Gnarr, der als Kandidat der Spaßpartei „Die Beste Partei“ am letzten Wochenende in Reykjavík die Kommunalwahlen gewonnen hat,1 nun ernsthafte Politik machen möchte und mit seinem “Schattenþing“ die Bürger von Reykjavík schon unter das Joch der E-Partizipation zwingt. Andererseits hätte es mich auch sehr gewundert, wenn es anders gekommen wäre.

Ich meine, selbst wenn man zum Beispiel mich zum Bundespräsidenten wählen würde, wäre die Gefahr hoch, dass ich mich nach ein bis zwei Wochen anarchistischen Rumkasperns hilflos den blöden Fragen der Journalisen und den maßlosen Forderungen der autoritätshörigen Bürger ergeben würde um so ein ganz normaler Bundespräsident zu werden. Irgendwie glaube ich nicht daran, dass eine Person noch Entscheidungen, jenseits des politischen Zirkus treffen kann, sobald sie in die Mühlen der Politik geraten ist.
Und auch wenn ich über Helge Schneider lieber lache, als über Olaf Schuberts primitive mitleidserregende Auftritte, so stehen die Chancen, dass Olaf Schubert mal Oberbürgermeister von Dresden wird, m.E. weit besser, als es die Chancen für Helge stehen jemals zum Hindenburgnachfolger zu werden. So könnte Olaf Schubert im Jahr 2015 bei der dannigen Wahl zum Oberbürgermeister von Dresden den Beweis dafür antreten, dass es als Politiker doch möglich ist, keine Politik zu machen.

  1. The Reykjavík Grapevine vom 04.06.2010: He Really Did It! Jón Gnarr just won himself an election—we called him up to talk abut it“ []

Reykjavík 1.73 beta

[updated]

Der Sieg der „Besti Flokkurin“ unter Jón Gnarr ist erst vier Tage her, da tut sich schon etwas in der Politik von Reykjavík. Bevor ich hier jedoch weitere unverständliche Wörter auftische, will ich einen kurzen Rückblick über das bisher Geschehene geben:

Island wurde vor etwa 1000 Jahren von ein paar norwegischen Fischern besiedelt, denen das administrative System, mit dem sie sich in wechselseitiger Abhängigkeit befanden (lies: ihr König) tüchtig auf die Nerven ging. Auf der Suche nach governementalen Alternativen schipperten sie durch die Gegend und landeten irgendwann auf einem großen beheizten Felsen, den sie Island nannten. Weil es dort nichts gab, was sie störte, vor allem kein administratives System, blieben sie und machten ihr eigenes Þing. Abgesehen von ständigen Vulkanausbrüchen, Pest- und Choleraepidemien, der permanten Kolonisierung und Versklavung großer Teile der Bevölkerung durch norwegische und dänische Könige und abgesehen von Überfällen durch algerische Freibeuter und christliche Missionare lebten sie, naja, wie man angesichts solcher Umstände halt lebt: ungesund. … Continue reading

Anti-Obama gewinnt Unwahlen in Island

Es war eine großartige Performance, an der sich tausende von Menschen beteiligten, und sie ist noch nicht vorbei: Bei den isländischen Kommunalwahlen vom letzten Wochenende hat in Reykjavík der Komiker Jón Gnarr mit der „Besten Partei“ auf Anhieb die meisten Stimmen gewonnen (35%).1 Es gilt als wahrscheinlich, dass Gnarr, der seine Partei erst vor wenigen Monaten gründete und in deren Wahlprogramm solch bemerkenswerte Versprechen wie nachhaltige Korruption, ein drogenfreies Parlament bis 2020 und ein Eisbär für den Reykjavíker Zoo stehen, Bürgermeister der isländischen Hauptstadt wird. Continue reading

  1. Der Standard.at vom 30.05.2010: „Gemeinderatswahlen in Reykjavik – Komiker Gnarr gewinnt Kommunalwahl“ []