Entartet 2.0

Entartete Kunst: "Blaues Pferd I" Gemälde von Franz Marc, 1911

Laut Jamrozik und Nocella1 hat jede Gesellschaftsordnung ihre dominanten Wertvorstellungen und damit verbundenen Mechanismen der Ausgrenzung dessen, was gegen diese Vorstellungen verstößt. Dass auch Künstler mit ihren Werken gegen die Werte verstoßen können, welche die Gesellschaft dominieren, kann man am Beispiel der als entartet bezeichneten Kunst sehen, die in der Zeit des Nationalsozialismus geächtet, lächerlich gemacht und vernichtet wurde.

Am 13. Januar des Jahres 2010 fand ich auf dem Blog der EFF (Electronic Frontier Foundation) folgende Meldung: … Continue reading

  1. Adam Jamrozik,Luisa Nocella (1998) The sociology of social problems : Theoretical perspectives and methods of intervention. Cambridge University Press []

I’m a dedicated follower of Ulises

Mit Ulises ist weder Odysseus noch das langweilige Buch von James Joyce gemeint, sondern Ulises Mejias, Professor für neue Medien an der SUNY in Oswego (New York), dessen Blog ich seit etwa zwei Jahren verfolge. Aufmerksam geworden bin ich auf den Blog von Ulises Mejias durch seinen Beitrag zum Open-Ijtihad, in dem er darüber nachdachte, wie Muslims den Islam hacken können. Sowas ist doch abgefahren oder? Ich war schon deswegen begeistert, weil es ein Professor ist, der sich Gedanken über sowas macht und kein Psychopath. Wobei sich das ja nicht ausschließen muss.

All in all gefallen mir seine theoretischen Beiträge schon deswegen, weil sie sich mit der Frage beschäftigen, … Continue reading

Foucault und Commons?

Nachdem ich als Sozpäd in spe in meiner wirtschaftswissenschaftlichen WG neulich damit punkten konnte, mich schon lange Zeit vor der Verleihung des Wirtschaftsnobel-Preises an Frau Ostrom mit ihren Arbeiten beschäftigt zu haben, kann man mich in letzter Zeit des öfteren in der WG-Küche dabei belauschen, wie ich die Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises des Jahres 2012 an Michel Foucault vorhersage.
In seinen Vorlesungen zur Governementalität beschäftigt er sich ja damit wie die Konzepte der Regierung, Macht und der Subjektivierung in Zusammenhang gebracht werden können bzw. in Zusammenhang gebracht wurden sein könnten. Der zweite Band in dem diese Vorlesungen veröffentlicht wurde, trägt den Titel „Geschichte der Gouvernementalität II. Die Geburt der Biopolitik“ und erlaubt einen Einblick in Foucaults Denken über das Wichtig-werden der Ökonomie als Bestandteil von Regierung im 17. und 18. Jahrhundert und die Entstehung des (Neo-)Liberalismus und seiner Mechanismen (Rationalität, Homo oeconomicus) im 19. und 20. Jahrhundert.

Für meine Diplomarbeit heißt das Folgendes:

In meiner Diplomarbeit versuche ich, die Entstehung und das Funktionieren des Kollektivgutes VoKü mit Theorien der Ökonomie zu verstehen und zu erklären. Mir kommt es dabei darauf an, die Mikroökonomie einer VoKü zu beschreiben um dabei Prozesse des Scheiterns oder Gelingens der Produktion von Kollektivgütern zu erfassen.
Bei diesem Prozess des Verstehens und Erklärens der Mikroökonomie einer VoKü spielen u.a. die Logik des kollektiven Handelns von Mancur Olson, die Institutionenanalyse von Elinor Ostrom, sowie die Erforschung kollektiven Handelns in Kibbutzim wichtige Rollen.
Wenn, wie Foucault sagt, diese von mir verwendeten ökonomischen Theorien und Modelle nicht Naturgesetzen folgend entstanden, sondern Resultat diskursiver Prozesse oder bestimmter Formen von Regierung sind dann heißt das:

  1. dass diese ökonomischen Theorien nicht Naturgesetze beschreiben und erklären, sondern Rückschlüsse auf ihre eigene Entstehung zulassen und
  2. dass ich bei meinem Prozess der Beschreibung von VoKüs ganz klar innerhalb eines ökonomischen Rahmens bleibe, der das Resultat vorangegangener diskursiver Prozesse bzw. Regierungen ist

Was mich an der ganzen Geschichte beunruhigt ist Folgendes:

Wenn VoKüs Resultat eines Handelns sein sollten, welches sich im Wesentlichen weitgehend oder teilweise unbeeindruckt von Formen der Regierung zeigt oder sich den Verstrickungsversuchen von Regierung gegenüber sogar widerständig oder ausweichend verhält, dann werde ich dieses Handeln nicht mit den Theorien von Mancur Olson oder Elinor Ostrom erfassen können. Irgendwie hätte ich dann das Thema verfehlt.

Das würde auch bedeuten, dass das Verschwinden der Allmenden nicht nur Resultat der ursprünglichen Akkumulation ist, sondern auch eines Denkentwurfes, der im 19. Jahrhundert dominant wurde. Das wiederum würde die Beschreibungsversuche von Allmenden mit Hilfe wirtschaftswissenschaftlicher Theorien zu einem Kind unserer Zeit machen, aber nichts darüber aussagen, warum es Allmenden gab/gibt und wie sie funktionier(t)en.

Es wäre toll, wenn es neben den Wirtschaftswissenschaften mehr Disziplinen gäbe, die sich mit Commons beschäftigten. Mmm… vielleicht passiert das ja gerade auf einer Ebene von Experten, die außerhalb von Wirtschafts- und Wissenschaftsbetrieb tätig sind? z.B. Peer2Peer Foundation, Commonsblog, Digitale Allmend ?