Käthe Kollwitz und die Frage woran man das Gute erkennt

Ja, seltsamer Titel. Anyway, das Posting handelt eigentlich nur von der unerträglichen Schwierigkeit, vorher zu erkennen, was hinterher als das Gute und was hinterher als das Böse bezeichnet werden wird.

Die wunderbare Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz hat einen Sohn im ersten Weltkrieg verloren, ist im Kaiserreich und bei den Nazis gedisst wurden, hat Grafiken über das Elend des Krieges geschaffen, die mich bewegen, wie sonst kaum etwas und trotzdem hat sie es fertig gebracht, noch 1934 in ihr Tagebuch zu schreiben:

30. Juni 1934: Erschießung Röhms, Schleichers, [von] SA-Führeren und andern. Hitlers starke Rede im Rundfunk.1

Ich habe ihr Tagebuch leider nur sehr flüchtig in einer kurzen Pause durchgeblättert und bin dabei auf diesen Eintrag gestoßen. Ob sich Käthe Kollwitz zu diesem Zeitpunkt nicht darüber im Klaren war, dass Hitler die halbe Welt in einen Krieg ziehen wird und seine Rede stark im positiven Sinne fand? Ob sie glaubte, … Continue reading

  1. Käthe Kollwitz, Die Tagebücher, Akademie-Verlag, 1989 []

Käthe Kollwitz

Eigentlich wollte ich am Wochenende nach Moritzburg fahren um das dortige Käthe-Kollwitz-Haus zu besuchen und mir ein paar Plastiken und Grafiken der Künstlerin anzuschauen. Moritzburg, wo die Künstlerin während der letzten Monate ihres Lebens wohnte, ist mit dem Bus zwar nur eine halbe Stunde von Dresden entfernt, und trotzdem habe ich es diesmal leider nicht geschafft.

Heute, nur zwei Tage später also, hat mich Käthe Kollwitz nun noch eingeholt. Als ich einen Bildband über die Kollwitz-Sammlung des Dresdner Kupferstich-Kabinettes auf den Buchboxen der Uni-Bibliothek liegen sah, in der ich gerade sitze und meine Diplomarbeit schreibe, musste ich mir den einfach ansehen.
Weil ich den Eindruck habe, dass ich diese Dinge dadurch klein machen würde, will ich hier nichts über die Grafiken in diesem Bildband und deren Wirkung auf mich schreiben; alles was ich sagen möchte ist, dass mich viele ihrer Bilder sehr bewegt haben und ich einen unheimlichen Ekel darüber verspüre, dass Käthe Kollwitz das Ende des Zweiten Weltkrieges nur um wenige Tage verpasst hat.

„Kopf eines Kindes in den Händen der Mutter“ 1900 – Studie zu der Radierung >Zertretene< – gefunden auf Uni Leipzig.de