Was mit „Dai-Irgendwas“

Das Internet verändert mein Gehirn, ich bin mir ganz sicher.1  Gerade wollte ich nach dem anderen großen Videoportal googlen; ich meine (jetzt) nicht Youpr0n. Weil Google Suchbegriffe schon beim Eintippen selber ergänzt, hat es sich mein Gehirn abgewöhnt, komplette Begriffe im Kopf zu behalten. Jedenfalls wusste weder ich, mein Gehirn, noch dessen Kopf, wie dieses andere Videoportal eigentlich heißt, nur noch, dass es mit „Dai-Irgendwas“ anfing. Zum Glück hat mir Google beim Tippen geholfen und Vorschlag Nummer 3, war das gesuchte „Dailymotion“.

Ob die Gespräche, die ich in letzter Zeit führe, stärker durch Andeutungen und Anspielungen geprägt sind, weil mehr oft nicht mehr geht? Oder: Weil mehr gar nicht mehr nötig ist? JedeR weiß ja im Prinzip was gemeint ist, wenn man eine Andeutung macht. Und wenn nicht, lässt es sich bei Wikipedia nachschlagen, bei Youtube anschauen oder auf Googlemaps zeigen. Andeutungen sind somit selber zu einem voraussetzungsreichen Kulturgut geworden.

Mm … wofür sind Gespräche eigentlich gut? Egal, denn was ich eigentlich suchte, einen netten Mashup zum Sonntag nämlich, das habe ich dann noch woanders gefunden:

Eigentlich wollte ich ja genauer ausführen, warum Sarrazin mich mit seinem „Deutschland wird im Rollstuhl landen, wenn es weiter so dolle onaniert“- nervt. Eigentlich wollte ich doch schreiben, dass ich angesichts der Masse der Mashup-Videos, die in Deutschland auf Anordnung von Plattenfirmen teilweise oder komplett gesperrten werden, ganz froh über ein abgeschafftes Deutschland wäre und dass mir noch 100 weitere Gründe einfallen, diese Nationenkacke endlich mal runterzuspülen. Aber, verdammt wir leben im Post-Postismus, da wird ja wohl ein andeutungsreiches Posting genügen, oder? Und außerdem: das Internet wird Sarrazins Gehirn ja hoffentlich auch bald erreichen. Und dann wird er checken, dass nicht die blöden Migranten an allem Schuld sind, sondern die blöden Plattenfirmen.

  1. Ich glaube, manche nennen diesen Prozess „Lernen“. Gruslich, oder? []

Entartet 2.0

Entartete Kunst: "Blaues Pferd I" Gemälde von Franz Marc, 1911

Laut Jamrozik und Nocella1 hat jede Gesellschaftsordnung ihre dominanten Wertvorstellungen und damit verbundenen Mechanismen der Ausgrenzung dessen, was gegen diese Vorstellungen verstößt. Dass auch Künstler mit ihren Werken gegen die Werte verstoßen können, welche die Gesellschaft dominieren, kann man am Beispiel der als entartet bezeichneten Kunst sehen, die in der Zeit des Nationalsozialismus geächtet, lächerlich gemacht und vernichtet wurde.

Am 13. Januar des Jahres 2010 fand ich auf dem Blog der EFF (Electronic Frontier Foundation) folgende Meldung: … Continue reading

  1. Adam Jamrozik,Luisa Nocella (1998) The sociology of social problems : Theoretical perspectives and methods of intervention. Cambridge University Press []