How to watch a revolution

… weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Allerdings gibt mir die Überschrift die Gelegenheit, zu sagen, dass ich auch ohne das Geplapper von irgendwelchen Frühlingen, Revolutionen und Massakern aus TV und Radio ganz gut über die Runden komme. Interessanter, weil teilweise selbstreferentiell und metaanalytisch finde ich mit Blick auf die Berichterstattung im sog. Nahen Osten momentan folgende Quellen:

Außerdem finde ich es ganz erleuchtend, auf diaspora dem Hashtag #syria, media zu folgen.1

Kennt jemand weitere Methoden um an Informationen über Syrien zu kommen?

  1. Wobei es mich ein Wenig überrascht hat, dass ein Komma ein Hashtag und das auf das Komma folgende Wort als UND verbindet. []

History repeats itself?

Der großartige Adam Curtis macht nicht nur verdammt heiße Dokus, sondern bloggt auch eifrig. Sein aktueller Blick (Juni 2011) auf die Geschichte westlicher Interventionen in Syrien lässt mich mit dem Gefühl zurück, dass weitere westliche Sanktionen und/oder Interventionen erneut dafür sorgen, dass der Teufel aus Syrien mit dem Belzebub ausgetrieben wird: Adam Curtis – The Baby and the Baath Water

Sein Bericht über die Umkrempelungsaktionen der USA in Syrien in den 1940- und 50ern liest sich stellenweise wie eine wilde Räuberpistole a.k.a. phantastische Verschwörungstheorie. Die dabei von Curtis genutzten Dokumente und Filme machen den Beitrag allerdings nicht nur zu einem aufregenden multimedialen Bildungserlebnis, sondern vermitteln beim Lesen etwas so Nüchternes, dass Verschwörungstheoretiker sich wahrscheinlich gelangweilt abwenden werden. Wie in Adam Curtis‘ anderen Arbeiten auch, besteht für mich dennoch der Verdacht, dass es Adams hier nicht hauptsächlich darauf ankommt, Gegeninformationen zum Standpunkt zu Mainstream-Medien zu liefern, sondern den Glauben daran zu unterminieren, dass (mehr) Informationen zu (besseren) Lösungen führen.
Und so kann es letztlich doch sein, dass alles was Curtis in seinem Beitrag schreibt, gelogen, verzerrt oder nur halbwahr ist. Dennoch und auch wenn das Checken seines Beitrages etwas länger dauern wird: Lesen, Angucken, Anhören! – Adam Curtis – The Baby and the Baath Water

Und a) weil das Lied so schön ist und ich b) den Zeilen

„History repeats itself
I didn’t learn, I wouldn’t listen
I couldn’t see the books were on the shelf
For my good sense, I never missed ‚em“

an dieser Stelle nichts Schlaues hinzuzufügen weiß: „History (repeats itself)“ von A.O.S.:

Was ist blos mit Rafik los?

Ich bin etwas enttäuscht von dem Kommentar „Verblendung gepaart mit Eitelkeit – Ein Selbstgespräch„, den Rafik Schami in der aktuellen taz zum Thema Syrien abgibt.
In den 90ern besuchte ich einen Freund, der im schrecklich biederen und betonierten baden-württembergischen Un-Kaff Bietigheim-Bissingen wohnte. Auf einem dortigen Flohmarkt, der in einer kuschligen Tiefgarage stattfand, kaufte ich Schamis Buch „Erzähler der Nacht“. Seine Worte erweckten damals das in mir, was ich bis heute meine „arabische Sehnsucht“ nenne. Neben der Trostlosigkeit des Städtchens und meinem Wunsch, mich so schnell wie möglich von dort zu verpissen, wurde diese Sehnsucht vor allem von der klaren und warmen Sprache des Romans zum Blühen gebracht.

In der taz greift Rafik Schami nun die Publizisten Scholl-Latour und Todenhöfer an, deren Worte zur Lage in Syrien in den letzten Wochen meine Hoffnung genährt haben, dass die journalistische Beschreibung der Vorgänge in Syrien von Interesse und Skepsis geprägt sein kann und nicht von (verständlichen aber unprofessionellen) Gefühlen wie Abscheu, Mitleid und Furcht. … Continue reading

Geschichte, Meta, Propaganda?

Früher ging es mir meistens gut, denn da hieß es mal, Nachrichten seien neutral. Wenn ich die aktuelle Berichterstattung über Syrien auf DLF, D-Radio oder heute im Morgenmagazin der ARD höre, wird mir allerdings schlecht und ich frage ich mich, was aus diesem Grundsatz geworden ist. Nicht aus dem, dass es mir meistens gut geht, sondern aus dem der Neutralität von Nachrichten.
Assad wird in den Berichten fast durchgängig als Machthaber, Despot oder Diktator bezeichnet, die von ihm eingeleiteten Reformen als Farce, seine Regierung als Regime. Das sind alles keine neutralen Ausdrücke doch sie werden ohne weiteren Kommentar verwendet. Die Beobachtermission der Arabischen Liga wird als gescheitert bezeichnet.1 Nichts wird erklärt. Wozu auch? – Ist ja alles klar. Oder? Einzige rühmliche Ausnahme bildet 3sat, das sowohl auf dem Blog der 3sat-Kulturzeit-Redaktion als auch in der Mediathek viel interessantere Geschichten zur aktuellen Lage in Syrien zu berichten weiß.2
Sowohl Ton als auch Wortwahl der allgemeinen Nachrichten über Syrien deuten für mich darauf hin, dass Assads Regierung von den RedakteuerInnen generell als illegitim betrachtet wird und Aktionen gegen Assad generell als legitim. Dazu gibt’s noch ein paar Bildchen von rauchenden Trümmern und protestierenden Bürgern; das muss als Beweis dafür reichen, dass die syrische Regierung ein unmenschliches Unrechtsregime ist. Gruslig finde ich, dass solche „fundierten“ Nachrichten nicht etwa von den Schlagersendern, sondern den öffentlich-rechtlichen gebracht werden. – Nun weiß ich, welche Strafe man bekommt, wenn man keine GEZ-Gebühren zahlt.

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  1. Der Abschlussreport der Beobachtermission wurde mittlerweile (Achtung, Wortspiel) geleagued: League of Arab States Observer Mission to Syria – ein sehr interessantes Dokument, auch aus ethnographischer Sicht. Wenn dieser Report echt ist, war die Mission alles andere als ein Misserfolg. []
  2. Ein anderes, aus der Masse der HetzNachrichten herausragendes Interview mit jemandem, der in Syrien war, hat DLF Ende letzten Jahres geführt. Die darin genannten Punkte zur Lösung der Situation (das Ausland versucht Regierung und Opposition zu Gesprächen zu bewegen) scheinen mir die einzig vernünftigen zu sein. []