Wer soll das nicht glauben?

Diese Frage stelle ich mir angesichts der Artikel in Zeit-Online und Spiegel-Online, die über die Massentötungen von Gefangenen in Syrien berichten und die über die Proteste in Kiew sprechen. In beiden Artikeln werden die jeweiligen Regierungen heftig kritisiert und zum Rücktritt gedrängt, in beiden Artikeln werden die Aktionen der Oppositionellen als weitgehend legitim dargestellt und unter beiden Artikeln äußert der Großteil der KommentatorInnen, den Berichten und den darin dargestellten Vorgängen keinen Glauben zu schenken. („Propaganda, PsyOP, Lügenpresse, Falseflag etc. …“)
Ich bin mir mittlerweile sicher, dass dieser Unglaube und die dabei erzeugte Kritik ein Kalkül ist – zumal das Spiel in der Syrienberichterstattung schon seit mehr als zwei Jahren so geht. „Wir schreiben mal paar dreiste schwarz/weiß-Berichte, um möglichst viel Widerspruch von Kommentatoren und um so möglichst viele Klicks zu bekommen.“

Die Aufregung und die Kritik-Formulierung der KommentatorInnen ist die Währung, mit der sie für free-content zahlen.

Die Information der Gefühle

Neulich fand hier in der Gegend die (vermutlich nicht legale) Premierenfeier der deutschsprachigen Untertitel von Adam Curtis‘ Film „The Century of the Self“ statt, welche mit Schnittchen (teilweise vegan), Sekt (regional), handgemachter Musik (Pop) und natürlich „Happiness machines“ – dem ersten Teil von Curtis‘ Dokumentarfilm über Aufstieg und Fall psychologischen Denkens in Politik, Wirtschaft und Popkultur – zu begeistern wusste. Nach dem Film kam es unter den Gästen zu angeregten und neugierigen Diskussionen, die mich vermuten lassen, dass Curtis nicht nur mich anmacht: Er weiß mit seinen Werken zu unterhalten und regt zu Kontroversen an.
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How to watch a revolution

… weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Allerdings gibt mir die Überschrift die Gelegenheit, zu sagen, dass ich auch ohne das Geplapper von irgendwelchen Frühlingen, Revolutionen und Massakern aus TV und Radio ganz gut über die Runden komme. Interessanter, weil teilweise selbstreferentiell und metaanalytisch finde ich mit Blick auf die Berichterstattung im sog. Nahen Osten momentan folgende Quellen:

Außerdem finde ich es ganz erleuchtend, auf diaspora dem Hashtag #syria, media zu folgen.1

Kennt jemand weitere Methoden um an Informationen über Syrien zu kommen?

  1. Wobei es mich ein Wenig überrascht hat, dass ein Komma ein Hashtag und das auf das Komma folgende Wort als UND verbindet. []

History repeats itself?

Der großartige Adam Curtis macht nicht nur verdammt heiße Dokus, sondern bloggt auch eifrig. Sein aktueller Blick (Juni 2011) auf die Geschichte westlicher Interventionen in Syrien lässt mich mit dem Gefühl zurück, dass weitere westliche Sanktionen und/oder Interventionen erneut dafür sorgen, dass der Teufel aus Syrien mit dem Belzebub ausgetrieben wird: Adam Curtis – The Baby and the Baath Water

Sein Bericht über die Umkrempelungsaktionen der USA in Syrien in den 1940- und 50ern liest sich stellenweise wie eine wilde Räuberpistole a.k.a. phantastische Verschwörungstheorie. Die dabei von Curtis genutzten Dokumente und Filme machen den Beitrag allerdings nicht nur zu einem aufregenden multimedialen Bildungserlebnis, sondern vermitteln beim Lesen etwas so Nüchternes, dass Verschwörungstheoretiker sich wahrscheinlich gelangweilt abwenden werden. Wie in Adam Curtis‘ anderen Arbeiten auch, besteht für mich dennoch der Verdacht, dass es Adams hier nicht hauptsächlich darauf ankommt, Gegeninformationen zum Standpunkt zu Mainstream-Medien zu liefern, sondern den Glauben daran zu unterminieren, dass (mehr) Informationen zu (besseren) Lösungen führen.
Und so kann es letztlich doch sein, dass alles was Curtis in seinem Beitrag schreibt, gelogen, verzerrt oder nur halbwahr ist. Dennoch und auch wenn das Checken seines Beitrages etwas länger dauern wird: Lesen, Angucken, Anhören! – Adam Curtis – The Baby and the Baath Water

Und a) weil das Lied so schön ist und ich b) den Zeilen

„History repeats itself
I didn’t learn, I wouldn’t listen
I couldn’t see the books were on the shelf
For my good sense, I never missed ‚em“

an dieser Stelle nichts Schlaues hinzuzufügen weiß: „History (repeats itself)“ von A.O.S.: