I’m a dedicated follower of Ulises

Mit Ulises ist weder Odysseus noch das langweilige Buch von James Joyce gemeint, sondern Ulises Mejias, Professor für neue Medien an der SUNY in Oswego (New York), dessen Blog ich seit etwa zwei Jahren verfolge. Aufmerksam geworden bin ich auf den Blog von Ulises Mejias durch seinen Beitrag zum Open-Ijtihad, in dem er darüber nachdachte, wie Muslims den Islam hacken können. Sowas ist doch abgefahren oder? Ich war schon deswegen begeistert, weil es ein Professor ist, der sich Gedanken über sowas macht und kein Psychopath. Wobei sich das ja nicht ausschließen muss.

All in all gefallen mir seine theoretischen Beiträge schon deswegen, weil sie sich mit der Frage beschäftigen, … Continue reading

Musikalischer Weihnachtskalender zum Selberbasteln in Dresden-Löbtau

Wie ich gerade aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, wird wenige Tage vor dem ersten Dezember ein „Musikalischer Weihnachtskalender“ in Löbtau (bei Dresden ;) auf die Beine gestellt.

Dazu wurde ein Wiki eingerichtet – das Loemuweikawiki – in welches sich Leute eintragen können, die in den Abendstunden eines der Tage vom 1. bis zum 24. Dezember Lust haben, in der Löbtauer Öffentlichkeit ein bisschen Musik zu machen.

Das Loemuweikawiki mit dem der Musikalische Weihnachtskalender für Dresden-Löbtau koordiniert wird.

Im Unterschied zum Musikalischen Adventskalender der Neustadt, der in diesem Jahr aus finanziellen und organisatorischen Gründen auszufallen scheint, kümmert sich beim Löbtauer Musikalischen Weihnachtskalender kein Verein um die Organisation. Stattdessen versuchen die Leute, die mit ihrer Musik auftreten wollen, die ganze Sache mit einem Wiki selbst zu koordinieren.

Na denn: Ich wünsch allen Musikern gutes Ge(k)lingen!

Auf die Plätze … Konzept … los !

Ich bin beruhigt. Nachdem ich spätestens beim ersten offiziellen Treffen mit den VoKülerInnen selber den Eindruck hatte, dass ich noch etwas konzeptlos bin, las ich gerade bei Roland Girtler

… daß die freie teilnehmende Beobachtung im Sinne der freien Feldforschung darauf angelegt ist, während des Forschungsprozesses erst Hypothesen zu erstellen, diese zu prüfen und vielleicht durch weitere Beobachtungen zu modifizieren.1

Na also: erstmal ein paar Gedanken zum Thema machen, aufschreiben, dann gucken, aufschreiben, weiterdenken, aufschreiben, weitergucken, aufschreiben u.s.w. Am Ende „Diplomarbeit“ drüberschreiben und abgeben. Bis jetzt habe ich alles richtig gemacht :)

Und um mich für meine Forschungen über VoKüs inspirieren zu lassen, lese ich gerade folgende Bücher:

  • Berliner Szenetreffpunkt Bahnhof Zoo: Alltag junger Menschen auf der Straße – Der Autor hat einige Monate die „Szene“ am Bahnhof Zoo in Berlin beobachtet und Interviews mit einigen der Jugendlichen, die dort leben, durchgeführt. Finde ich vor allem interessant, weil der Autor bei seiner Untersuchung als teilnehmender Beobachter agiert und auch einige Aspekte der Methode durchblicken lässt.2
  • Ethik des Essens : Eine Einführung in die Gastrosophie – Ja warum sollte ich VoKüs nicht auch mal unter essensphilosophischen Gesichtspunkten betrachten? Beim Lesen fand ich spontan Gefallen an einem Vergleich von VoKüs mit Epikurs Philosophie speziell mit dem Gedanken der autarken (i.e. selbstgenügsamen) Ernährung und der Befriedigung der Lüste oder Bedürfnisse durch einen Garten.3
  • Popular Protest in East Germany – Liest sich wie ein Krimi, trotz Englisch und wissenschaftlichem Anspruch. Der Autor beschreibt einige Beispiele der Protestbewegung in der DDR, wie z.B. den Aufstand am 17. Juni 1953 und versucht Ursachen und Bedingungen für die unterschiedlichen Ausdrucksformen von Protesten in der DDR zu beleuchten. Sehr interessant z.B.: am 17. Juni griffen die Aufständischen auf Protesterfahrungen zurück, die sie als Gewerkschaftler, Betriebsräte und Genossen der SPD und KPD im wilhelminischen Deutschland und der Weimarer Republik gemacht haben.4
  • Die Rote Hilfe : die Geschichte der internationalen kommunistischen „Wohlfahrtsorganisation“ und ihrer sozialen Aktivitäten in Deutschland (1921 – 1941) – Sehr spannend wird hier die Geschichte und der Aufbau der Roten Hilfe, die ja keine wirklich anerkannte Wohlfahrtsorganisation war, während der Zeit der Weimarer Republik beschrieben. Interessiert mich, weil ich ja rausbekommen möchte, welche Organisationsform ein kollektives Handeln ermöglicht, das die Ziele der Sozialen Arbeit unabhängig von Staat, Kirche und privaten Gönnern erreicht.5

Jau, ansonsten hab ich heute slubmagic installiert, was mich bei der Menge der Bücher die ich mir für meine Diplomarbeit aus der SLUB ausgeliehen habe, vor der völligen Verschuldung durch Verzugsgebühren bewahren soll.
Die SLUB hatte ja mal einen Dienst geschaltet, der jeden Ausleiher ein paar Tage vor dem Ablauf der Leihfrist darüber informierte, dass man die entsprechenden Medien noch zurückgeben sollte, wenn man keine Verzugsgebühren bezahlen möchte. Aus mir nicht bekannten Gründen, hat die SLUB diesen Dienst aber im Jahr 2007 modifiziert und mailt ihren Nutzer eine Abgabeerinnerung jetzt erst ein paar Tage nachdem man seine Bücher hätte abgeben sollen. Dann sind natürlich die Verzugsgebühren fällig.
Jemand Nettes hat daraufhin das Tool slubmagic geschrieben, welches genau diese Erinnerung wieder vor dem Ablauf der Leihfrist übernimmt. Man kann sogar einstellen, ob man ein, zwei, drei oder vier Tage vorher eine Erinnerungsmail bekommen möchte. Die Installation ging ganz okay, musste das Script zwar mehrmals starten, aber nach einigem Hakeln hat es geklappt.
Ich finde erstaunlich, dass es es mit „Benachrichtigungsdienst für Bibliotheken“ gleich noch eine Möglichkeit gibt, der fiesen SLUB-Erinnerungsmail zuvorzukommen.
Ich habe der SLUB im Laufe meines bisher 6-jährigen Studiums (*hüst – ich bin eben sehr gründlich =) durch Verzugsgebühren schätzungsweise schon zweihundert Euro vermacht und hoffe sehr, dass mir einer dieser beiden Dienste dabei hilft nicht ausgerechnet in der Diplomphase zu verarmen.

  1. Girtler, R. (2001) Methoden der Feldforschung. Wien Köln Weimar, UTB Böhlau. []
  2. Thomas, S. (2005) Berliner Szenetreffpunkt Bahnhof Zoo : Alltag junger Menschen auf der Straße. Wiesbaden, VS Verl. für Sozialwissenschaften []
  3. Lemke, H. (2007) Ethik des Essens : Eine Einführung in die Gastrosophie. Berlin, Akademie Verlag []
  4. Dale, G. (2005) Popular Protest in East Germany. London, Routledge []
  5. Hering, S. (2003) Die Rote Hilfe : Die Geschichte der internationalen kommunistischen „Wohlfahrtsorganisation“ und ihrer sozialen Aktivitäten in Deutschland (1921-1941). Opladen, Leske & Budrich []

Soziale Literaturverwaltung

Ich suche mir gerade die Werkzeuge zusammen mit denen ich meine Diplomarbeit schreiben möchte. Also:

  • Literatur zum Thema VoKü
  • Literatur zu den Methoden wissenschaftlichen Arbeitens, die ich bei meinen Forschungen verwenden möchte
  • Soziale Lesezeichenverwaltung
  • Literaturverwaltung
  • Textverarbeitungs- bzw. Textsatzprogramme

Es gibt nicht soviel Literatur zum Thema VoKüs (bisher habe ich nur einen Artikel gefunden, in dem „VoKüs“ überhaupt erwähnt werden, von Büchern mal ganz zu schweigen), was dazu führt, dass ich mir gerade ziemlich viel Literatur zu angrenzenden Themen reinziehe. Ich bilde mir ein, das Thema so etwas einkreisen zu können.

Neben den Ressourcen, die ich dabei online im Internet finde (und die ich mit alltagz verwalte – Link hier) habe ich mir in der Bibliothek auch jede Menge Bücher ausgeliehen. Ob ich diese jemals vollständig lesen werde ist unwahrscheinlich. Nichtsdestotrotz habe ich das Ziel, die interessanten Exemplare in eine Literaturverwaltung aufzunehmen.
Da mir der Gedanke der Sozialen Lesezeichenverwaltung ganz gut gefällt, will ich mal probieren, ob sich das Prinzip „Ich katalogisiere und alle können es nutzen“ auch für die Literaturverwaltung anwenden lässt.

  • Gerade habe ich WIKINDX ausprobiert. Dieses Werkzeug scheint recht komplex zu sein, was eine detaillierte Eingabe von Daten möglich macht, allerdings ist es nicht so richtig intuitiv. So gibt es dort „Files“, „Ressourcen“, „Bibliografien“ und „Papers“, die man verwalten und anlegen kann. Für mich sind das bisher alles nur „Sachen“. Der Unterschied zwischen diesen Sachen ist mir bisher genauso unklar wie die Frage wozu man sie verwendet, was möglicherweise auch daran liegt, dass ich bisher noch nie mit einer Literaturverwaltung gearbeitet habe.
  • CiteULike scheint das ganze Gegenteil von WIKINDX zu sein. Man kann die Software aus Onlinedokumenten automatisch bibliografische Angaben herausfinden und verwalten lassen. Man kann das natürlich auch manuell machen, wobei die Bearbeitungsmöglichkeiten sehr einfach zu verstehen sind. Allerdings lassen sich keine Schlagwörter verwenden, die aus mehreren Worten bestehen. Außerdem fehlt die Möglichkeit Zitate oder Paraphrasen aus einem Buch oder Journal anzulegen und diese zu verwalten. Beides ist bei WIKINDX möglich.
  • Für die Verwendung von Aigaion muss ich einen Login per E-Mail beantragen. Leider funktioniert die Weitergabe der E-Mail Adresse aus dem Browser auf meinen Xubuntu nicht und es ist keine E-Mail Adresse im Klartext angegeben. Mmh…
  • LibraryThing hat den großen Nachteil, dass man kostenlos nur 200 Bücher in seine Bibliografie aufnehmen kann, darüber kostet es dann. Der große Vorteil ist, dass man zur Aufnahme in seine Bibliografie nur eine ISB-Nummer eingeben muss. Die restlichen Daten (Autor, Verlag, Erscheinungsjahr …) holt sich die Seite dann aus dem Internet (vermutlich von Amazon o.ä. Seiten).
  • Connotea scheint ähnlich arm an Umfang und Möglichkeiten zu sein wie CiteULike.

Nach einem ersten Blick und Erinnern ist WIKINDX mein Favorit. Ich werde noch untersuchen was es bedeuted, dass man WIKINDX auch Installieren kann/muss.

Wird die Revolution mit Social Software aggregiert? – Teil 5 von 4 und Schluß

Fazit zum Einsatz von Social Software als Mittel um politische Forderungen durchzusetzen

Folgende Möglichkeiten und Probleme, die Nutzer bei der politischen Verwendung von Social Software haben können, sind in den bisher an dieser Stelle vorgestellten Aufsätzen erkennbar:

Häyhtiö und Rinne beobachten in Ihrem Aufsatz,1 dass durch internetgestützte Kommunikation eine reflexive Politik entsteht, die sich durch Bidirektionalität auszeichnet und in der zwei Diskurse aktiv sind:

    administrative Ansätze, die danach streben, der bisherigen Politik mittels Social Software eine höhere Legitimation zu verschaffen, indem Bürgern mittels Social Software mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten eingeräumt werden. Die Themen über die dabei bestimmt werden darf, werden jedoch nicht von den Bürgern, sondern von den politischen Eliten vorgegeben. Die dabei wirkende Angst der politischen Eliten vor Machtverlust und die Beschränkung des Politik-Begriffes auf institutionelle Politik tragen dazu bei, das Internet als Werkzeug der politischen Partizipation zu schwächen.
    aktionistische Ansätze, die von Bürgern außerhalb institutionell organisierter Formen gestaltet und angewendet werden und die dazu beitragen, die Grenzen und Zwänge formaler Politik zu überschreiten. Typisch für diesen Diskurs ist das Streben nach und das Entwickeln von alternativen Bedeutungen und Praktiken von unten, z.B. durch die Kritik offizieller Einflussmöglichkeiten, durch Initiativen und Pläne der Einwohner und durch öffentliche Bürgeraktionen. Allerdings können solche Entscheidungen, die mittels öffentlicher Diskussionen außerhalb des administrativen Diskurses getroffen werden, leicht von Entscheidungsträgern ignoriert oder zurückgewiesen werden.

Die Nutzung von Social Software durch britische Parteipolitiker untersuchten Lilleker und Jackson in ihrer Analyse2 und konnten die dabei von Häyhtiö und Rinne bereits angedeutete Angst der politischen Eliten vor Kontroll- und Machtverlust darstellen. So nutzen die großen britischen Parteien und deren Vorsitzende zwar gewisse Werkzeuge des Web 2.0, tun das jedoch eher, um mit den Möglichkeiten zu experimentieren und ihre Botschaften besser zu verbreiten und weniger um in einen Dialog mit den Bürgern zu treten oder Macht an Bürger abzugeben. Lilleker und Jackson prägen für diese Nutzungsart von Social Software den Begriff des „Web 1.5“.

Mejias weist in seinem hier vorgestellten Beitrag3 darauf hin, dass das Internet und Social Software nicht per se demokratische oder demokratiefördernde Medien sind, sondern dass das Medium Internet ähnlich wie andere Massenmedien wirken kann und dabei durchaus auch Aspekte einer Massengesellschaft stützen bzw. hervorbringen kann. So kann das Internet zu einer Stärkung der Öffentlichkeit und der Demokratie nur dann beitragen, wenn sich politisch bewusste und aktive Bürger mit seiner Hilfe organisieren und die mit seiner Entwicklung verbundenen technischen und wissenschaftlichen Fortschritte kritisch hinterfragt werden.

Lassen sich mit Social Software politische Forderungen durchsetzen?

Wenn man zugesteht, dass Politik nicht nur das ist was im Bundestag oder in explizit politischen Institutionen geschieht, sondern dass auch die Auswahl der Wahren, die wir konsumieren, die Wahl des Verkehrsmittel, das wir benutzen politisch sind – kurz wenn man akzeptiert, dass viele Entscheidungen die Menschen treffen darauf abzielen einen Einfluss auf anderen Menschen und deren Entscheidungen zu haben, dann lassen sich in den untersuchten Social Software-Kampagnen einige Anzeichen für deren politisches Potential erkennen.

Wie im Beispiel der „Zyprexakills“-Kampagne deutlich wird,4 kann Social Software dabei helfen, das Interesse einer großen Gruppe gegen die privaten Interessen eines einzelnen Akteurs durchzusetzen. Im Falle dieser Kampagne konnte mittels Social Software die Forderung von Medikamentennutzern nach Veröffentlichung von bislang geheimen Informationen über die moralisch verwerflichen und rechtswidrigen Geschäftpraktiken einer pharmazeutischen Firma durchgesetzt werden.
Auch die von Häyhtiö und Rinne beschriebene Kampagne der finnischen Tierschützer5 und die Kampagne um die StudiVZ-AGB’s zeigen, dass Social Software einen Beitrag zur Beeinflussung von weitestgehend politischen Entscheidungen leisten kann.
Bei der Analyse der Social Software-Nutzung im Streit um den Bau der Dresdner Waldschlösschenbrücke6 wurde festgestellt, dass allein die Nutzung von Social Software noch kein Garant dafür ist, dass dies auch eine Auswirkung auf die „anfassbare“ Realität hat. Jedoch konnte durch einen Vergleich erfolgreicher und erfolgloser Social Media – Kampagnen herausgefunden werden, dass es mit Social Software unter bestimmten Voraussetzungen gelingen kann einen Skandal zu erzeugen, der dann in der Realität entsprechende Konsequenzen z.B. Rücktritte, Boykotte … haben kann.7
Dabei kristallisierte sich auch heraus, dass Social Media – Kampagnen dann einen Einfluss haben können, wenn sie es schaffen die Massenmedien für ihre Themen zu interessieren. Es scheint dabei, als ob Social Software den großen Medien als „Rohstofflieferant“ dient. Der Rohstoff besteht, wie im Falle der finnischen Tierschützer oder der ZyprexaKills-Kampagne, aus bisher weitgehenden unbekannten Inhalten (den schlechten Lebensbedingungen der Tiere in der Massentierhaltung oder den manipulativen Vermarktungsstrategien eines Pharmakonzerns) oder – wie im Falle der StudiVZ-AGB’s – aus der Information, dass viele Menschen einer bestimmten Meinung zu sein scheinen.8 Dieser Rohstoff wird durch die Social Software-Nutzer produziert und den Massenmedien zur Verfügung gestellt. Diese können den Rohstoff dann zu einem konsumfreundlichen Produkt verarbeiten und als Nachricht an die breite Öffentlichkeit verkaufen. Ein Teil dieser Öffentlichkeit nutzt diese Nachricht wiederum als Grundlage für weitere Diskussionen mittels Social Software, die dann von den Massenmedien wieder aufgegriffen werden u.s.w. Im günstigsten Fall kann durch diese Informations-Spirale soviel Aufmerksamkeit und öffentlicher Druck erzeugt werden, dass ein Umstand zum Skandal wird, der dann mitunter auch reale Konsequenzen hat.9

Dass Menschen diese Leistungen erreichen können, liegt an folgenden Eigenschaften von Social Software:
    * Social Software ermöglicht die dezentrale Organisation von Aktionen und ermöglicht die gleichmäßige Verteilung der Lasten von Aktionen.

    * Social Software ist einfach zu bedienen und ohne oder nur mit geringen finanziellen Kosten nutzbar.

    * Die Nutzung von Social Software ist neben dem öffentlichen Nutzen oft mit einem privaten Nutzen verbunden (Spaß, Lernen, Unterhaltung…).

    * Social Software ermöglicht Nutzern durch das einfache Veröffentlichen von Informationen und durch Aufmerksamkeitslenkung das Schaffen einer aktiven Öffentlichkeit. Diese kann mit ihren Beiträgen dazu beitragen, dass sich die Massenmedien einem bestimmten Thema zuwenden. Durch die Kooperation von Social Software – Nutzern und Massenmedien können Zustänge skandaliert werden, die reale Konsequenzen haben.

    * Die Zensur von mittels Social Software veröffentlichten Informationen ist aufwendiger als die Zensur von mittels klassischer Medien veröffentlichter Informationen. Ein Aspekt der die Verwendung von Social Software in Ländern mit einer stark ausgeprägten Medienzensur sehr attraktiv macht – wie das Beispiel der ZyprexaKills-Kampagne zeigt, aber nicht nur dort.

Während man im Internet „politisch unterwegs“ ist, geschehen Lernprozesse. Lilleker und Jackson sprechen davon, dass Politiker mit den Möglichkeiten des Web 2.0 experimentieren10 und ich halte es für unbestritten, dass momentan auch Bürger im Umgang mit Social Software experimentieren und dabei lernen diese Werkzeuge auf eine politisch wirksame Art und Weise einzusetzen.

Weitere Fragen:

Interessant ist es herauszufinden, unter welchen Umständen die Verwendung von Social Software dazu beitragen kann, dass sich Menschen zur Teilnahme an politischen Prozessen ermuntert fühlen, in denen über ihre Lebenswelt entschieden wird. Möglicherweise können sich mit Hilfe von Social Software auch größere und mehr Lobbygruppen als bisher an politischen Prozessen beteiligen. So konnte bereits an anderer Stelle11 gezeigt werden, dass Social Software dazu beitragen kann, die Kosten für die Produktion von Kollektivgütern zu verringern.
Am Beispiel des Einsatzes von Social Software im Streit um den Bau der Waldschlösschenbrücke drängt sich mir die Frage auf was passiert, wenn sowohl Befürworter als auch Gegner einer politischen Forderung Social Software einsetzen? Was ist wenn es plötzlich heißt: “Mein Pro-Brücken-Wiki gegen Deinen Kontra-Brücken-Blog”? Lässt sich in diesem Fall eine Veränderung der politischen Kultur durch elektronische Partizipation erkennen? Transzendiert die Existenz von Blogs, Wikis und Sozialen Onlinenetzwerke in diesen Fällen die institutionell verankerte Politik oder imitiert sie diese nicht vielmehr? Und: Inwieweit unterscheiden sich die Werkzeuge aus dem „Werkzeugkasten Social Software“ von Bleistift und Zettel, die ja durchaus auch dazu dienen können politische Forderungen zu stellen bzw. durchzusetzen?

  1. Häyhtiö und Rinne (2008) – „BIDIRECTIONAL CIVIC ACTIVITIES: Reflexivity in administrational and actionist approaches“ []
  2. Lilleker und Jackson (2008) – „Politicians and Web 2.0: the current bandwagon or changing the mindset?“ []
  3. Ullises Mejias (2004) – „The limits of e-Democracy: between public and mass“ []
  4. siehe dazu: Wird die Revolution mit Social Software aggregiert? – Teil 3 von 4 – Die “Zyprexakills”-Kampagne []
  5. „BI-DIRECTIONAL CIVIC ACTIVITIES: Reflexivity in administrational and actionist approaches“ S.14 ff. []
  6. Wird die Revolution mit Social Software aggregiert? – Teil 4 von 4 (und Fast-Schluss) []
  7. Der Skandal ist somit eine Brücke zwischen der virtuellen Welt der Blogs, der Sozialen Onlinenetzwerke und der Wikis auf der einen Seite und der physisch erfahrbaren Realität auf der anderen Seite. []
  8. Durch fünfstellige Mitgliederzahlen in StudiVZ-Gruppen mit Namen wie „Nein zum stasiVZ – Nein zu den neuen AGB’s“ oder „SOS – Achtung – StudiVZ ändert die AGB!“ u.a. konnte der Eindruck erweckt werden, viele Menschen seien gegen eine Änderung der AGB’s. []
  9. Manchmal wird diese Spirale aber auch durch die großen Medien angeregt. So kritisierten bereits im März 2007 – kurz nachdem StudiVZ seinen Nutzern eine entsprechende Meldung über die Pläne zur Änderung seiner AGB’s zuschickte – viele Blogger die Änderungen die StudiVZ an seinen AGB’s durchführen wollte, z.B. auf „neversfelde.de“: „StudiVZ AGBs“ (15.03.2007), im Kasi-Blog: „Neue AGB von StudiVZ: Hacker und Blogger erhalten Maulkorb“ (15.03.2007) oder im „law blog“: „StudiVZ: Lizenz zum Schnüffeln“ (16.03.2007) . Das Thema wurde auch zu diesem Zeitpunkt in den Kommentaren dieser Blogs von einigen Nutzern kritisch diskutiert. Eine Auswirkung dieser Blogs auf StudiVZ zum damaligen Zeitpunkt konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Erst als die ersten Massenmedien 9 Monate später über die Pläne von StudiVZ berichteten (folgender Bericht in der Online-Ausgabe der „Welt“ ist das früheste Zeugnis für die Berichterstattung der Massenmedien über die Änderungen der StudiVZ-AGB’s, das ich finden konnte Welt-Online (14.12.2007) – „Heftige Kritik an Datenplänen des StudiVZ“), fühlte sich StudiVZ offenbar soweit unter Druck gesetzt, dass es ein wenig einlenkte. []
  10. Lilleker und Jackson (2008) – „Politicians and Web 2.0: the current bandwagon or changing the mindset?“ S.26 []
  11. Torsten Philipp (2007) – „Anwendung von Mancur Olsons ‚Logik des kollektiven Handelns‘ auf das Kollektivgut ‚Wissen auf Wikipedia'“ []